Sandkastenspiele
Montag, Januar 26th, 2009Neulich vor meinem Rechner: Ich las gerade in Mustrums Blog einen Artikel über verändere D&D4 Regeln, um das Regenerieren von Healing Surges für “Sandbox”-Spieler besser abzubilden. Was ist denn nun wieder “Sandbox” (“Sandkasten” zu deutsch)? Ich kenne Sandboxes von z.B. Wikis, wo es Seiten sind, auf denen jeder mal was ausprobieren darf. Wie ein Kind im Sandkasten halt. Eine kurze Nachfrage bei Mustrum ergab, dass es dabei weniger um das “plotgetriebene” Spiel geht (Man kauft sich ein Abenteuer, erstellt evtl. extra dafür Charaktere, wählt einen der angebotenen Plot-Hooks und dann folgt man den Abenteuer). Es geht darum dass die Gruppe an irgendeinem Punkt in einer Welt startet und sich dann relativ frei durch die Welt vorarbeitet. Je nachdem wo sie gerade hin wollen. Der Meister streut Abenteuer ein, die die Charaktere annehmen können oder nicht. Ich habe ein wenig im Internet recherchiert, um etwas mehr Licht ins dunkel zu bringen, denn so wirklich etwas damit anfangen könnte ich noch nicht.
Eine Sammlung mehrerer Links zum Thema gibt es hier (englisch):
Defining SANDBOX Gaming: What’s it to you?
Zudem gab es eine interessante Diskussion in einem Forum, die ich leider nicht wiederfinde. Es ging dabei um die Ursprünge des Tabletops. Entstanden ist aus den Ideen irgendeines Offiziers, grob um die Wende 19./20. Jahrhundert, wenn ich mich recht entsinne. Da wurden auch lustig Miniaturen herumgeschubst und taktisches Vorgehen ausgespielt. Eine Variante fand auf einem Tisch statt, auf dem die Landschaft mit Sand modelliert wurde. Eine echte Sandbox, sozusagen. Später wurde dann auf die allseits beliebt/bekannten Tiles (bemalte Bodenplatten) umgestellt. Die Parallelität der Worte ist interessant.
ich habe nun versucht das Ganze für mich zu einem Bild zusammen zu stecken. Es ist irgendwie ein wenig biblisch geworden:
Am Anfang ist die (Sandbox-Rollenspiel-)Welt wüst und leer. Natürlich sollte in der Gruppe ein Thema ausgegeben werden, sonst kommt ein Spieler mit einem Elfenmagier und einer mit einem Raumschiffpiloten und man muss TORG spielen
Das Thema selbst ist aber beliebig, sofern man ein passendes Regelwerk zur Hand hat. Oder das Regelwerk gibt das Thema vor, s. D&D. Die Welt wird jetzt sozusagen zum Kreativraum des Meisters (und meist auch der Spieler). Anfangs wird das Startgebiet einigermaßen definiert und, falls vorhanden, die Charakterbiographien definieren auch Teile der Welt. Ansonsten dürfte vor der ersten Sitzung wenig festgelegt sein. Die Spieler fangen jetzt wie vom Meister beschreiben an und erforschen die Welt. Je nachdem wohin die Spieler sich bewegen definieren Meister (und auch Spieler) weitere Teile der Welt. Der Meister kann auch vorneweg etwas mehr definieren, je nachdem ob er bestimmte Elemente im Spiel haben möchte oder nicht.
Ein etwas anderer Ansatz kann auch sein, dass die Welt durchaus größtenteils definiert ist und die Spieler sich durch diese Welt “voran arbeiten” und sie kennen lernen. Der erste Ansatz passt aber für mich eher zu dem Wort “Sandbox”, denn Sand kann man formen.
Die entscheidenden Elemente sind also die Freiheit der Spieler zu tun und zu lassen, was sie wollen. Es gibt keinen Hauptplot, der die Spieler voran treibt (es kann durchaus Plots geben, im Hintergrund oder Vordergrund, nur ist dieser Plot nicht die Hauptmotivation der Spieler). Die Welt kann ein Kreativraum für Meister und Spieler sein und das Formen der Welt kann spontan passieren ohne Vorbereitung, kann aber auch zwischen den Sitzungen im “stillen Kämmerchen” gemacht werden.
Diese Definition überschneidet sich (mehr oder weniger) mit der des Simulationsspiels (aus dem GNS-Modell oder dem “Big Model” der Rollenspieltheorie). Aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel, der hoffentlich in Kürze auf diesem Kanal erscheint
