Zufällige Zitate aus einem zufälligen DSA-Band
Montag, August 31st, 2009Ich habe noch so ein paar DSA-Abenteuerbände bei mir rumliegen, die ich irgendwann mal gekauft, aber nie gespielt habe. Vorhin ist mir beim Aufräumen des Rollenspiel-Regals einer in die Hände gefallen – “Pfade des Lichts” heißt das Teil, ist ne Kurzabenteuersammlung. Ich habe es nur mal überflogen und dabei alle “spielerisch wertvollen” Tips, die mir ins Auge gefallen sind, markiert. Hat fünf Minuten gedauert… irgendwie beängstigend, wenn ich überlege, dass wir dieses True-Roleplaying-Gebrabbel früher ernst genommen haben. Aber seht selbst…
“Wir möchten Sie ermutigen, sich nach Herzenslust Ihrer pathetischen Erzählader hinzugeben.”
Ja, lieber Meister, es geht um Sie, nicht um die Spieler! Erzählen Sie und genießen Sie die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft…
“Gönnen Sie Ihren Spielern ‘großes Kino’ und ‘Pathos in Tüten’ und gestalten Sie Szenen so dramatisch wie möglich: Ein schlichter Schwerthieb wird unterstützt durch das Umstoßen eines Tisches…”
…demolieren Sie dabei Ihre Einrichtung…
“…ein Gegner der Helden tritt stets mit einem Sprung oder an einem Kronleuchter schwingend in Szene.”
…und walzen Sie platte Klischees aus!
Nun aber mal im Ernst, “verehrter Meister”: Dramaturgie ist wichtig, Logik nicht. Sie tun so viel für Ihre Spieler, verrenken sich gar beim erzählen, da können die nicht noch persönliche Motivation verlangen oder gar Mitspracherecht.
“Wie Sie Ihre Abenteurergruppe in die verlassensten Winkel Deres lotsen können, wissen Sie, verehrter Meister, für gewöhnlich selbst am besten. Für das vorliegenende Abenteuer bieten wir Ihnen eine Möglichkeit an (…): Erklären Sie gar nichts. Schenken Sie Ihren Spielern, wenn diese fragen, was in aller Zwölfe sie ausgerechnet nach Wosna verschlagen hat, ein freundliches Lächeln.”
Yeah! Bitte recht freundlich. Doch was ist das? Etwa ein Anflug von Reue? Bevormunden will man schließlich niemanden…
“Allerdings gelingt diese Variante nur, wenn Ihre Spieler bereits sind, sich auf solche ‘mystischen’ Erklärungen einzulassen. Ist dies nicht der Fall, dann könnte es geschehen, dass Ihre Gruppe sich bevormundet fühlt – und so etwas kann ein denkbar schlechter Einstieg in ein Abenteuer werden.”
Vielleicht doch nur Lippenbekenntnisse. Denn schließlich:
“Ihnen, verehrter Meister, kommt ab nun die schwierige Aufgabe zu, die Spurensuche der Helden geschickt zu lenken.”
“Soabld Sie das Gefühl haben, dass die Gruppe kurz davor steht, ihn gewaltsam zur Rede zu stellen, lenken Sie die Helden durch ein anderes Handlungselement ab.”
Die Spieler folgen einer Fährte? Richtig oder falsch, egal. Die fangen noch an zu denken! Das geht mal gar nicht. Also los:
“Lassen Sie durch seine tolldreisten abendlichen Lügengeschichten im Wirtshaus den Verdacht wieder aufflammen und verwirren Sie Ihre Spieler dann durch Salandrians wundersames Spiel auf der Flöte.”
Und zum Abschluss mein persönlicher Favorit. Ich glaube, der spricht für sich selbst.
“Falls Ihre Helden sich jetzt ernsthaft an einer der verschlossenen Grabtüren zu schaffen machen, anstatt Natassa aus Ihrem Gefängnis zu befreien, lassen Sie ihnen bitte einfach einen soliden Steinquader auf den Kopf fallen. Sie sind gewarnt worden: Es gibt hier Fallen.”
Viel Spaß beim Gruseln. Und bevor es jemand meint, erwähnen zu müssen: Ja, die Zitate wurden aus dem Zusammenhang gerissen!




Extremer Spoiler Plotideen