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Das Märchen vom tollen Spielleiter und den doofen Spielern

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Es gibt Spielleiter, die ihre Spieler gerne und oft belehren. “Das würde dein Charakter nicht tun; das ist eine dumme Idee; das geht nicht; meine Spieler sind so blöd…” etc. pp. Wer derlei Sermon von sich gibt, der hält sich, so zumindest meine Erfahrung, zumeist noch in seiner Spielleiterrolle für besonders befähigt.

Eher ist das Gegenteil der Fall: Denn Spielleitern, die ihre eigenen rollenspielerischen “Fähigkeiten” als denen der Spieler überlegen betrachen – sei es taktisch, atmosphärisch oder schlicht geistig – verstehen eine Eigenschaft des Rollenspiels nicht. Eine Eigenschaft, die zu durchdringen gerade und besonders für den SL sehr wichtig wäre.

Nämlich, dass Rollenspiel nun mal mit Kommunikation zu tun hat. Als Medien, um die entsprechenden Informationen zu übermitteln, dienen beim Rollenspiel in aller erste Linie die Sprache, plus entsprechende Hilfsmittel wie Zeichnungen, Bilder, die Battlemap, Miniaturen. Nun muss man nicht ”was mit Medien” studiert haben. Ein guter Spielleiter versteht aber intellektuell oder zumindest intuitiv, dass während jeder Form von Kommunikation Informationen verloren gehen. Spieler machen zuweilen Fehler, weil sie eine Information des Spielleiters missverstanden haben. Ein guter SL bemüht sich daher darum, möglichst klar und deutlich Situationen zu beschreiben und gibt einem Spieler bei einem Missverständnis die Möglichkeit, eine Handlung noch einmal zu überdenken, indem er sie genauer erläutert – statt “du bist so doof” über den Tisch zu plärren.

Ein guter Spielleiter wird daran arbeiten, dass er seine Spieler immer besser versteht, indem er genau zuhört, auch auf Tonfall und Stimme (Ist die Handlung ernst gemeint? Oder ein kleiner OT-Kommentar?) achtet. Und er wird daran arbeiten, dass seine Spieler ihn besser verstehen. Und bei Missverständnissen und Kommunikationsproblemen die Schuld eben nicht nur bei den anderen sucht, sondern genauso bei sich selbst.

Wer sich selbst als grundsätzlich talentierten und hervorragenden Spielleiter erachtet und dennoch das Gefühl hat, dass seine “Spieler immer nur Mist bauen” und das Bedürfnis hat, dies dauernd mitzuteilen, sollte sich ernsthaft überlegen, ob er den Sessel nicht eher jemand anderem überlässt.

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3 Responses to “Das Märchen vom tollen Spielleiter und den doofen Spielern”

  1. alexandro Says:

    Sehe ich genauso.

    Bin recht pragmatisch in dem, was ich machen muss um Informationen an meine Spieler weiterzugeben. Und manchmal mache ich auch Fehler und überlege mir dann (nachdem ich mich bei meinen Spielern entschuldigt habe) wie ich den Spielern bestimmte Sachverhalte besser kommunizieren kann. Habe das öfter mal angesprochen und dann kam fast immer von irgendjemanden ein Kommentar wie “Bäh, das braucht man doch nicht.” oder “Sind deine Spieler geistig beschräkt? Such dir intelligentere Spieler!” usw.

    Bei solchen Leuten merkt man recht deutlich, dass sie entweder keinerlei Erfahrung als SL haben oder (noch schlimmer) absolut unfähig sind Kritik zu vertragen und sich für den “größten Meister der Welt(TM)” halten.

  2. PiHalbe Says:

    Merci beaucoup. Schöner Artikel. Ich versuche selbst auch immer eher zu viel zu verraten (und manchmal auch ein wenig plumper zu brschreiben) als dass etwas verloren geht und bei den Spielern nur noch geballte Verwunderung ankommt. Aber leider klappt auch das nicht immer, dann muss man Rede & Antwort stehen. Wie Du sagst.

  3. Joni Says:

    Es ist interessant zu beobachten, wieviele Spielleiter der Meinung sind, sie hätten ihre Autorität und Befähigung quasi per Amt erhalten. “Weil ich SL bin, bin ich auch gleichzeitig ein toller Erzähler, Taktiker etc…”. Diese Systemimmanenz gibt es aber nicht, ganz im Gegenteil.

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