“Fuck you, I’m chaotic neutral!”
by JoniEs soll Spieler geben, die chaotisch neutrale Charaktere richtig gut darstellen können. Ja! Wirklich! Kein Scheiß! Ich kenne sogar einen oder zwei. Ein Freund hat es mal geschafft, in Faerun einen Atheisten glaubwürdig rüber zu bringen – kurz nachdem während der Zeit der Sorgen die Götter auf Erden wandelten. Da gab es Anfälle von Selbstzweifeln, wenn der Gruppenkleriker ihn geheilt hat, er rieb sich auf zwischen der Loyalität zu seinen Kameraden, der Unfähigkeit, Freundschaften einzugehen, Egomanie und naiver Gutherzigkeit. Der Charakter war zudem ein absoluter Feigling, zuweilen ein Fackelfallenlasser und nach D&D-Standards ziemlich uneffektiv gebaut. Aber er hatte Flair in einem chaotisch-neutralen Sinne und jener Spieler konnte das darstellen.
Chaotisch-neutrale Charaktere sind nämlich in einem (h)erzählerischen Spiel ein durch und durch schwieriges Konzept. Ich stelle sie mir als innerlich vollkommen zerissen vor. Mit sich selbst und der Welt uneins, ohne rechtes Ziel, ohne gefestigtes Weltbild, mit den Dingen hadernd. Mal von den Stürmen der Moral zu Boden geschleudert, mal in nihilistischer Windstille ohne Antrieb. Sauschwer, aber spannend. Wenn man denn will und kann.
Leider ist es aber so, dass viele Spieler das chaotisch-neutrale Konzept lediglich als dumpfe Ausrede nutzen, so scheint es mir. Sie wollen auf die Kacke hauen. Aber richtig böse sein, das geht nicht, da würde man ja mit dem Gruppenpaladin aneinander geraten. Stattdessen ist man halt total CN irgendwie, sitzt schwarz gekleidet in der Tavernenecke, brandschatzt und mordet, wenn es sein muss, kann aber trotzdem die gut-gesinnten Aufträge annehmen. Dabei fühlt man sich noch total elitär und individuell und cool. Leider ist das purer Egoismus und nicht mehr, verpackt als Charakterkonzept. Und alles lässt sich mit “Ich spiele nur meine Gesinnung aus” begründen. Ne, Kumpel, machst Du nicht! Du stülpst der Gruppe dein seichtes Ego-Spiel über, In- wie Outgame. Und tiefgründig ist da gar nichts.
Mit den Worten Reinhard Meys (Annabelle):
“Seit jenem Tag gehör ich nicht mehr zur Norm.
Denn ich trage jetzt die Nonkonformisten-Uniform.”
Mit The Gamers zwei:
“You killed a peasant with a 4th level spell. This is for killing demons!”
“Hey, i am just playing my alignment!”
Gute Nacht!
Der Joni
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Februar 22nd, 2010 at 21:29
Da zumindest mein Blodson – der in einer deiner Gruppen existiert – CN ist, fühle ich mich schon etwas angesprochen, andererseits kann ich mich damit verteidigen, dass ich relativ wortkarg bin und meinen Gruppengefährten noch nicht alles gesagt/meine wahre Natur präsentiert habe!!!
Es ist wahrhaft schön, wenn in einem Charakter rollenspielmäßig noch viel Potenzial steckt – kein Wunder dass Leran zum Paladin wurde!!!^^
Februar 22nd, 2010 at 22:16
Ach Quatsch, Freitags ist ja mehr Spaß, Gekloppe und Chaos als tiefschürfendes RPG. Dafür gelten eh andere Kategorien.
Februar 22nd, 2010 at 22:18
Dementsprechend anstrengend ist es auch in der Truppe nen LN-Charakter zu spielen…
Februar 22nd, 2010 at 23:12
Schwierigkeiten mit dem “Chaotisch Neutral” scheinen tatsächlich nicht ungewöhnlich zu sein.
Einer der falschen Ansätze scheint zu sein dass man glaubt, man könne böse Taten ganz einfach mit guten Taten aufwiegen und erreicht so “Neutralität”. Andererseits ist das auch durchaus etwas, das D&D mit seinen Gesinnungen zumindest manchmal “erlaubt” oder vorsieht.
Der Druide der versucht, die Welt “auszubalancieren” und dem Guten hilft, wenn es schach ist, aber zur Seite des Bösen wechselst, wenn das Gute die OBerhand gewinnt.
Ich persönlich bin der Meinung, dass das einfach keine rationale Haltung ist. Wenn Gesinnungen sowas wären wie “Grün” und “Rot”, vielleicht, oder zwischen totaler Freiheit und totaler Fremdbestimmung. Es passt also vielleicht auf “Law” gegen “Chaos”, aber nicht wirklich auf Gut gegen Böse. Es gibt eben nichts “gutes” am Bösen, dass man braucht, damit die Welt funktioniert. Wenn die Welt nicht funktioniert, wenn alles gut ist, dann verfehlt das Gute seine Definition.
Februar 22nd, 2010 at 23:21
Nein, rational ist das sicher nicht. Aber wenn es denn wenigstens so wäre, dass der Charakter versuchen würde, gut und böse gegeneinander aufzuwiegen – das wäre dann wenigstens ein Charakterkonzept, eine Idee, ein Versuch, der Gesinnung etwas eigenes abzugewinnen.
Ich aber kritisiere CN aus Bequemlichkeit und machen-wollen-was-man-will-Attitüde an.
Februar 22nd, 2010 at 23:41
Nein, dem artikel kann ich so gar nicht beipflichten. erst kommt das Ausspielen, daraus folgt die Gesinnung – nie umgekehrt. Das bedeutet insbesondere, dass es nicht nur eine richtige weise gibt, “CN” auszuspielen.
Februar 23rd, 2010 at 07:47
Ich bin mir nicht sicher, was ich von dieser Situation halten soll. Auf der einen Seite ist es natürlich bequem CN auf diese Art und Weise zu spielen. Auf der anderen ist es genau das, was D&D fordert. Neutral wird auch als Suche nach dem Ausgleich zwischen Gut und Böse beschrieben. CN wird oft als mehr oder weniger egoistischer Charakter beschrieben, der seinem eigenen Gusto folgt. Natürlich ist es einfach seinen Launen zu folgen, aber wenn das gewollt ist? Warlocks sind gerne CN. Sie suchen den schnellen Weg zu arkaner Macht und paktieren dafür mit Dämonen frei nach dem Motto “Der Zweck heiligt die Mittel”. Das ist schlicht und ergreifend egoistisch und simpel. Da kann man nur schwerlich Tiefgründigkeit finden.
Die ganze Diskussion zeigt für mich wieder einmal die Fragwürdigkeit des Gesinnungssystems wie es oft gelebt wird und wie es z.B. in FR meiner Ansicht nach gefördert wird. “Die Guten” tun nun einmal Gutes und am Ende kommt Tolles und Erbaulich dabei heraus. “Die Bösen” machen alles kaputt und wollen die Guten loswerden. Realistisch betrachtet ist das in meinen Augen der völlige Blödsinn. Es ist völlig unrealistisch, weil Leute nun einmal Fehler machen oder die Konsequenz ihrer Handlungen nicht absehen können. Und manchmal haben sie auch einfach kein Bock das Richtige zu tun. D&D zieht darüber einen objektiven und absoluten Maßstab, der so nicht existieren kann und den Spieler und SL entgeltlich nur in einer verdammt platten und kritischen Welt wirklich umsetzen können. Ob man in diesem Rahmen Dinge wirklich ernsthaft beurteilen und messen kann, halte ich für fragwürdig.
Das ist meine bescheidene Meinung zum Thema.
Februar 23rd, 2010 at 08:06
Clonie & Greifenklaue: Niemand behauptet, dass es nur eine richtige Weise gibt, CN auszuspielen. Ich spreche hier aber über Leute, die sich gar nicht die Mühe machen, es zu versuchen sondern das Konzept auf puren Individualismus beschränken, der dann aber eigentlich Egoismus wird. Das Problem dabei ist, dass dabei allzu oft mit bequemer Ausrede gegen die Gruppe gespielt wird.
Februar 23rd, 2010 at 08:49
Das ist aber ein Problem der Spieler, nicht der Gesinnung. Das Gesinnungssystem von D&D ist so realitätsfern, dass man fast jede Art des Ausspielens einer Gesinnung begründen kann. Gute Spieler nutzen dass, um das Spiel zu bereichern, andere um es kaputt zu machen.
Februar 23rd, 2010 at 15:36
Wer behauptet, dass es ein Problem des Gesinnungssystems ist? Klar ist es ein Problem der Spieler, die etwas missbrauchen. Darüber hinaus mag das System zwar realitätsfern sein, aber in einem D&D-Kontext ist es recht gut zu definieren, was eine Gesinnung kann und darf und was nicht.
Februar 25th, 2010 at 11:09
Gut, klar kenne ich solche frustrierenden Spieler auch. aber es ist schwierig, dass an CN festzumachen.
Ich hab neulich Labyrinth Lord auf nem spieletreffen angeboten, klappte hervorragend, es wurde wunderbar gruppendienlich grspielt. als dann ein WoD’ler dazustieß, kippte das ganze anfangs stark…
Februar 25th, 2010 at 14:06
Ich spitze ja auch in dem Artikel zu, das sollte man nicht außer acht lassen. Und sicher spielt da nicht nur die Gesinnung mit rein – ich sehe sie aber als “unterstützendes Element” für manchen Käse.
Die Story mit dem WODler interessiert mich nun aber… wie ist da was gekippt?