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Geständnisse eines Metagamers

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Kennt Ihr jemanden, der sagen würde “Metagaming finde ich gut”? Ich auch nicht. Die “Kunst” die Charaktersicht einfach mal links liegen zu lassen und nach Sichtweise des Spielers zu entscheiden ist auch nicht gerade beliebt. Trotzdem bin ich ein Metagamer. Warum? Lest selbst.

Ein Schachspiel im Theater?

Am ehesten betreibe ich Metagaming in Kämpfen. Ich analysiere die Regeln und die Fähigkeiten der beteiligten Kämpfer und suche nach der effektivsten Lösung. Die Herausforderung dabei ist also nicht sich in seinen Charakter hinein zu versetzen, sondern rein analytischer Natur. Welche Trefferchance habe ich Gegen diesen Gegner? Welcher ist der Gefährlichste? Wo ist ein taktischer Vorteil? Welche Gefährten müssen geschützt werden und wie geht das am besten? Wie richte ich den größten Schaden an? Man kann es auch Power Gaming oder Minmaxing nennen. Ich jedenfalls ziehe die analytische Herausforderung der schauspielerischen im Kampf eindeutig vor. Ist als Informatiker vielleicht Berufskrankheit, vielleicht ist es auch nur meine Vorliebe.

Das soll nicht heißen, dass ich nicht in-character spielen will. Ich “hartwurste” sogar ab und zu gerne, spiele exzessiv einzelne Szenen aus um Eigenarten des Charakters zu zeigen oder heraus zu arbeiten. Ich versuche auch durchaus so gut ich es eben kann mein Metagaming zu verstecken. Aber wenn es gilt eine Herausforderung zu überwinden gewinnt der Analytiker in mir schnell die Überhand. Ohne hin und wieder die Möglichkeit zu haben an einer Herausforderung herum zu tüfteln und die analytischen Messer zu wetzen langweile ich mich. Genau wie sich ein Schauspieler beim Schach langweilt, langweile ich mich als “Schachspieler” im Theater.

Ich denke, also bin ich… ein Denker!

Das “Schlimme” an mir ist nur, dass ich eben auch immer wieder gerne in-character spiele. Ein Rollenspiel ganz ohne ROLLENspiel ist mir eben auch zuwider. Ich brauche beides: die Metaebene und die Charakterebene. Die Charakterebene kann auch gerne die meiste Zeit im Vordergrund sein. Nur ab und zu muss ich eine harte Nuss knacken. Das kann ein Kampf sein, wobei das sehr schwer ist, wenn der Rest der Gruppe lieber auf der Charakterebene kämpft. Aber Kämpfe sind die häufigste Möglichkeit. Es können aber auch gerne knallharte Logikrätsel, haarige Kriminalfälle und ähnliches sein. Dinge, bei denen manch ein Spieler gerne auf Intelligenz würfelt, weil es ihm keinen Spaß macht. Jeder hat halt seine Vorlieben.

Interessanterweise habe ich bis vor kurzem nie  einen Spielertyp gefunden, der so recht auf mich passt. Mal war ich “Method Actor”, was immerhin eher zutrifft als “Storyteller”, dann wieder “Power Gamer”, was wohl eher zutrifft als “Butt Kicker”. Erst kürzlich, bei der Lekture des D&D 4 Dungeon Master Guide, stieß ich auf die Rolle “Thinker” und ich hatte etwas gefunden, dass mir vorher gar nicht gefehlt hat. Ich hatte nur diese wiederkehrenden “Welcher Typ Rollenspeiler bist Du?”-Tests für Mist gehalten. Tatsächlich aber war ich nur mit meinen Vorlieben nicht enthalten. Der “Thinker” passt aber wie die Faust auf’s Auge. Er löst gerne Rätsel. Passt. Mein wichtigster Wunsch im Spiel. Natürlich kommt anderes hinzu, aber die Anforderung an den Spieler (nicht Charakter) kniffelige und komplexe Aufgaben zu lösen ist das, was ich immer mal wieder im Spiel brauche. Und das am liebsten mit der emotionalen Bindung an einen individuellen Charakter. Sonst wäre ich ja mit Schach und Denksportaufgaben völlig glücklich.

Ich bin also Metagamer, weil ich Herausforderungen (auch) für mich als Spieler suche und brauche.

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6 Responses to “Geständnisse eines Metagamers”

  1. Greifenklaue Says:

    dann kann ich das Folterbesteck ja zur Seite legen… ;) Was wäre mit dem Taktiker?

  2. TheClone Says:

    Der ist mir zu eingeschränkt. Taktik macht mir Spaß, aber Strategie und Puzzles auch. Oder eine anspruchsvolle, knackige Diskussion mit einem NSC. Wichtig ist der Anspruch an den Spieler.

  3. PiHalbe Says:

    Ist nicht der Taktiker so definiert, dass er Hürden überwinden will? Das würde doch genau passen. Obwohl, na gut … bei Puzzles kann man mit taktischem VOrgehen nichts gewinnen. Oder nicht alles.

    Nun, vlt hast Du Recht mit Deiner Einordnung.

    Definitiv macht aber der Thinker die Orthogonalität der Spielertypen kaputt. Das ist natürlich schade.

  4. TheClone Says:

    Ich würde sagen, der Thinker steht orthogonal auf dem sonst üblichen Raum der Spielertypen. Da könnte das Gegenteil dann der Casual Gamer sein. Es ist ja schon so, dass ich eher Taktiker als Stratege bin und eher Method Actor als Storyteller.

    Eine Motivation für diesen Artikel war übrigens auch, dass in Dtl. zwar oft auf das “crunchy” Spiel, das man den Amis oft zuschreibt geschimpft wird, aber dabei gerne vergessen wird, dass ma ntrotzdem wirklich knackige Herausforderungen präsentieren kann. Das “uncrunchy” Spiel verliert sich dann manchmal in Beliebigkeit. Keine harten Herausforderungen und Konsequenzen oder welche die sich über Würfelwürfe erledigen lassen und weniger über cleveres Spiel. (Falls sich dabei jemand aus meiner Gruppe angesprochen fühlt: Nein, so ist das nicht gemeint.)

  5. Joni Says:

    Ich bin mir nicht sicher, ob Katharine nicht ein Bot/Smurf oder so ist…

  6. TheClone Says:

    Ja, vermutlich schon. Mal gucken, ob sie sich meldet. Hab sie auf Spam gesetzt. Ist aber verdammt schwer zu erkennen dieses Mal.

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