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Quo vadis, D&D?

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Es gibt seit einiger Zeit Spekulationen darüber, ob nicht demnächst eine fünfte Edition von D&D das Licht der Welt erblicken wird. Einen sehr schönen Beitrag dazu gab es von “Weems of the Coast“. Auch der Trollish Delver-Blog hat seine Meinung kund getan und im derzeitgen D&D-Niemandsland Deutschland, das immerhin wieder Zugriff auf die englischen Regelwerke bekommt, wurde schon fleißig diskutiert. Aber da die Wotzies aus Seattle noch nicht dementieren, dass es eine fünfte Edition geben soll, wird vielerorts geunkt, dass die vierte Edition uns noch ein Weilchen begleiten wird.

Die beiden Richtungen, die schon der Trollish Delver nennt und die mir auch als regelmäßigem Leser der WotC-Seiten am wahrscheinlichsten erscheinen, sind die “traditionelle” oder die Brettspiel-Schiene. Erstere wird getrieben von den Erfolgen von Pathfinder. Die “Fortsetzung” von D&D 3.5, gerne auch auch D&D 3.75 genannt, machte zuletzt sehr viele positive Schlagzeilen, was Ansehen bei der Kundschaft oder Verkaufszahlen anbelangt. Dass eine Firma mit der eigenen, alten Edition so groß raus kommt, dürfte den Wizards nicht verborgen geblieben sein. Daher ist es durchaus eine legitime Vermutung, dass daraus die Schlussfolgerung gezogen wird, D&D müsse sich wieder auf Vergangenes besinnen und in eine ähnliche Richtung wie Pathfinder entwickeln. Dabei bleibt zu hoffen, dass Dinge wie die doch recht aufwendige Spielleitung bei Pathfinder von den Errungenschaften der vierten Edition profitieren werden.

Nun kann man zurecht anmerken, dass es kaum ein besonders gutes Alleinstellungs- und Verkaufsmerkmal einer fünften Edition wäre, wenn sie einer anderen Firma oder alten Edition hinterher rennt und sie kopiert. Wer die Kolumne “Legends and Lore” vom D&D Research & Development-Chef Mike Mearls liest, dem wird aufgefallen sein, dass er sich auch eher als Fan der ersten D&D-Editionen eher der Einfachheit zuwendet. Sind Fertigkeiten wirklich nötig? Wie kann man D&D simpler gestalten? Diesen Fragen hat Mearls bisher größeren Raum eingeräumt als Ideen, die aus 3e-Zeiten kommen könnten. Ein potentielles Brettspiel würde ein solches einfacheres Regelwerk benötigen, da ein so komplexes Regelwerk wie ein Rollenspiel der Marke “D&D” in verbreiteten Brettspielen selten anzutreffen ist.

Natürlich gibt es noch viele andere Spekulationen, doch das sind die beiden Hauptströmungen. Heute nun erschien eine weitere Ausgabe von “Legends and Lore”, die der einen Richtung weiteres Futter gibt. Eine der Koryphäen des Rollenspiels, Spieldesigner Monte Cook, wird die Kolumne in Zukunft von Mearls übernehmen. Ein Designer, der bislang eher mit Veröffentlichungen für das d20-System, also D&D 3.x oder Pathfinder von sich reden gemacht hat. Wird das die Richtung sein, in die sich D&D 4 weiterentwickelt? Oder will WotC einfach nur die Popularität von Monte nutzen um den Karren D&D 4 aus dem metaphorischen Dreck zu ziehen? Wäre Rollenspiel eine Börse, dann würde der Aktienwert von d20-Aktien jetzt definitiv steigen. Immerhin war Monte auch einer der Köpfe hinter D&D 3.

Den Spekulationen bleiben weiterhin Tür und Tor geöffnet und WotC wird sich wie immer nicht in die Karten schauen lassen. Die ersten beiden Antworten im Thread bei ENWorld verdeutlichen dies schon. Die Erste erwartet wegen dieser Personalie Edition 5 in Kürze, die Zweite erwartet genau dies nicht. Es sind und bleiben anstrengende Zeiten für die Fans von D&D, aber die “traditionelle” Fraktion befindet sich jetzt jedenfalls im Aufwind. Ob das zum Punktsieg am Ende reichen wird?

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6 Responses to “Quo vadis, D&D?”

  1. Cyric Says:

    Montes eigenen Kreationen (seit seiner WotC Zeit) waren nun nicht grade regeltechnisch leichte Kost – und das ist ja eigentlich das angestrebte Ziel von Mike Mearls. Ich denke also nicht, dass ein D&D 5 ein 3.5 Clone wird – sondern noch weiter zurück geht.

    Vielleicht wirds eine Art Basis D&D (ala Red Box), die dann per Zusatbücher oder -boxen um Fertigkeiten, Talente, unterschiedliche Rettungswürfe und ähnliches aufgebohrt werden kann. Die Basisbox wird Brettspielaffin sein – ein wenig in Richtung Warhammer 3rd Ed, mit Trading Card Optionen und ähnlichem.
    Eine interessante Version wäre auch, die Basisbox so generisch zu halten, dass die Zusatzregeln in Richtung 3.5, 4.x oder zurück in Richtung 1st/2nd Edition umsetzbar wären – incl. Retro Realms und old school Greyhawk oder moderner Versionen dieser Settings.

    Auf jeden Fall denke ich, MOnte zurück ins Boot zu holen ist ein äusserst erfreulicher Schritt. Es zeigt, dass man aus dem Seattle Elfenbeinturm ausbricht und bereit ist, Geld für einen der wohl besten RPG Designer in die Hand zu nehmen, der auf dem Markt verfügbar ist. Ich sehe das durchweg positiv…

  2. TheClone Says:

    Interessante Variante. Aber führt das nicht zu aus AD&D 2nd bekannten Problemen, dass keine zwei Spielgruppen miteinander kompatible Spiele spielen? Das wäre ziemlich fatal.

  3. Cyric Says:

    Wäre das heute noch so schlimm? Abgesehen von den Encountern ist das Tournament Play doch ziehmlich gestorben – also zumindest im Vergleich zu den 80ern und frühen 90ern.

    Und wenn man D&D 5 in 2 Reihen rausbringt? D&D, Advanced D&D (mit verschiedensten OPTIONALEN Regelerweiterungen) und dann noch unterschiedliche Kampagnenreihen ala Classic Realms und Modern Realms, dann bekommt man da schon ausreichend Übersicht hin, denke ich.

  4. TheClone Says:

    Also wenn es verschiedene Regelsätze für verschiedene Welten sind (SciFi, Fantasy, …) okay. Aber innerhalb der Fantasy über optionale Regelpakete etc fände ich blöd. Weil dann musst Du jedes Mal, bevor Du mit irgendwem, der nicht aus Deiner “Heimgruppe” kommt spielst erstmal klären welcher Regelsatz denn nun gilt und evtl. die passenden Bücher besorgen und immer neue Chars bauen. Bei jeder Con, auf die Du gehst, musst Du für jede einzelne Spielrunde abklären welche Regeln denn nun gelten. Super stressig. Ich weiss nicht, ob ich das mitmachen würde.

  5. Falk Says:

    Das Problem hast du bei 3.5 Auch “Welche Feats lasst ihr zu? Welche Splatbooks benutzt ihr?”.
    D&D 3.5 kann von mir aus bleiben, wo der Pfeffer wächst. Und das 4E gegenüber Pathfinder einbricht, muss auch noch bewiesen werden. Zahlen verdrehen kann jeder.

    4E hat auch mehr als genug Schwächen, ist als Gesellschaftsspiel (ich sage absichtlich nicht Rollenspiel) aber sehr gut, schnell und spassig spielbar. Darauf kann man aufbauen. Wenn man sich jetzt mal ins Zeug legen würde, um aus 4E ein flexibles System zu machen, man kann sich da auch an OD&D orientieren, dann kann man 3.5 endlich hinter sich lassen.

    ich rechne aber nicht vor 4-5 Jahren damit. Bis dahin ist D&D für mich einfach gestorben.

  6. Christoph Says:

    @ Falk: Klar, man muss immer danach fragen, welche zusätzlichen Bücher erlaubt sind, aber die Grundregeln sind immer die selben. Gäbe es mehrere optionale Regelsätze für das selbe Setting, dann wäre es wie wenn jede Runde mindestens ein dutzen Hausregeln hätte, die die Grundmechanismen verändern.

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