Neues im Forum

Die 4th-Edition-Realms taugen nicht einmal mehr als Brettspiel-Hintergrund

by

In Renton ist man offensichtlich mittlerweile selbst zu der Erkenntnis gelangt, dass die vergessenen Reiche der vierten Edition kein Hintergrund sind, auf dem irgendein Spiel basieren sollte. Lasst mich kurz etwas ausholen, um das zu erläutern.

Kürzlich haben die Dame des Hauses und ich uns das neue Wizards of the Coast-Boardgame “Lords of Waterdeep” gekauft. Es war ein Impulskauf, der uns bei unserem lokalen RPG-Broker in der Hände fiel. Das Spiel ist brandneu, es wurde im März 2012 veröffentlich. Es trägt das offizielle 4th-Edition Dungeons & Dragons-Logo. Für ein D&D-Spiel ist es recht ungewöhnlich. Es gibt kein Plastikmini-Rumgeschubse, “Lords of waterdeep” bietet stattdessen ein würfelloses und eurogamemäßiges Spielgefühl. Jeder Spieler verkörpert einen der geheimen “Lords of Waterdeep” und will mit seiner Organisation die Stadt Tiefwasser/Waterdeep übernehmen.

Die dafür vorhandenen “Ressourcen” sind Kämpfer, Schurken, Priester und Magier, dargestellt mittels verschiedenfarbiger Holzwürfelchen; außerdem gibt es noch Gold. Es gilt, sich die Ressourcen zu erspielen und damit Questen zu erfüllen, die wiederum Siegpunkte bringen. Würze und Interaktion ins Spiel bringen Intrigenkarten, Gebäude und die Möglichkeit, seine Mitspieler zu blockieren.
Spielt sich alles sehr elegant und spaßig, wir waren positiv überrascht. Ich gehe soweit zu sagen, dass es das erste WotC-Produkt seit Längerem ist, mit dem ich rundum zufrieden bin (das letzte davor waren die Arcane Towers-Dungeon Tiles).

Und mit einem weiteren, sehr guten Brettspiel im Regal könnte die Geschichte dann auch enden, wäre mir nicht beim zweiten Durchlauf etwas aufgefallen. Die Stadt Waterdeep ist ja keine Neuschöpfung, sie ist bekanntermaßen eine der wichtigsten Städte in den vergessenen Reichen (halt, stopp, sorry – nehmt lieber diesen Link).

Tiefwasser-Quellenbuch dritte Edition

Tiefwasser-Quellenbuch, dritte Edition

Lords of waterdeep bedient sich fröhlich des Hintergrundes aus dem Reiche-Kampagenbuch und dem Tiefwasser-Quellenbuch der dritten Edition. Erschienen ist die englischsprachige Erstausgabe von ersterem 2001, und von zweiterem 2005. Darstellbar ist die Nutzung des 3rd-Edition-Backgrounds anhand zahlreicher Kleinigkeiten, als Beleg reicht aber allein ein Blick auf die elf beigelegten “Lords of Waterdeep”-Karten.

"Lords of waterdeep": Die Karten der maskierten Fürsten

"Lords of waterdeep": Die Karten der maskierten Fürsten

Die Herren der prächtigen Stadt sind wie im guten alten Jahr 1372 Taliser Zeitrechnung altbekannte Haudegen wie Mirt, der Geldverleiher (einer meiner Lieblings-NSC), Sammereza, der Paladin Piergeiron Paladinssohn – der unmaskierte Fürst und ntürlich Khelben “Schwarzstab, Baby” Arunsun. Würden sich die Wizards an ihre eigene Zeitlinie halten, dann müssten eigentlich die vergessenen Reiche der vierten Edition gelten. Deren aktuellste Publikation zu Waterdeep wäre dann das lahme, blutleere und dümmliche 4th-Edition-Realms Kampagnenbuch, erschienen 2008.

Vergessene Reiche, vierte Edition

Vergessene Reiche, vierte Edition

Offensichtlich geben die sechs aktuellen Flattersatz-Seiten des 4-Edition-Waterdeep nicht einmal genug her, um ein Brettspiel hintergrundmäßig zu unterstützen (von einem Rollenspiel also ganz zu schweigen). Die Wizards gestehen damit nun sogar selbst indirekt ein, dass sie die Realms mit der vierten Edition kaputt gemacht haben. Ein echtes Armutszeugnis der eigenen Produktpolitik.

P.S. “Lord of waterdeep” ist dennoch spielenswert!

pixelstats trackingpixel

Diese Artikel könnten Euch interessieren:

  1. Was D&D Next nicht vergessen sollte
  2. D&D Gentleman’s Edition
  3. Pegasus veröffentlicht D&D nicht auf Deutsch
  4. +++ Ticker: WotC kündigt heute die 5. D&D-Edition an +++
  5. Webcomic: Kennen wir das nicht alle?

Ähnliche Artikel bereitgestellt von Yet Another Related Posts Plugin.

Tags: , , ,

One Response to “Die 4th-Edition-Realms taugen nicht einmal mehr als Brettspiel-Hintergrund”

  1. alexandro Says:

    Das was du beschreibst, kommt halt heraus, wenn sich die gesamten Organisationen in den FR nur über Mary-Sue-NSCs definieren und abgesehen davon keine Identität haben – springt man einfach mal ein paar Jahre in der Geschichte vorwärts (und lässt die Mary Sues an Altersschwäche krepieren), dann wird es plötzlich sehr, sehr leer. Das sagt etwas über die Nutzbarkeit dieser Art von Kampagnenbeschreibung (viel Fluff, wenig konkretes) für das tatsächliche Spiel aus.

    Ich bin auch nicht glücklich mit der 4e-Version, aber die LANGEWEILE des AD&D 2nd/D&D 3rd Hintergrundes will ich deswegen trotzdem nicht zurück.

    Vielleicht sollte man das Setting endlich einstampfen und nur noch (wie von Greenwood ursprünglich vorgesehen) als Romanhintergrund fortführen.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.

Suche