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Schienen verlegen ohne Werkzeug

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Kürzlich bin ich auf dem Blog The Alexandrian auf eine interessante Aussage zum Railroading gestoßen:

First, I think a lot of the linear, railroaded scenarios that we see in roleplaying games are the result of GMs who have a limited (or nonexistent) toolset.

Ich vertrete ja gerne die These “Wer railroadet ist ein fauler Spielleiter.” Das ist natürlich unsachlich, populistisch und vielleicht sogar gemein gegenüber diesen SL. Aber ich finde meine These in genau dieser Aussage wieder. Und die Aussage kommt nicht einfach aus heiterem Himmel. Sie steht am Ende einer 16-teiligen Serie aus langen und wie ich finde sehr guten Artikeln, die Strukturen in Rollenspielen analysieren. Ein definitiver Lesetipp, auch wenn man mit der obigen Aussage nichts anfangen kann, denn die steht mit den Inhalten der Serie nur lose in Kontakt.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Was meine ich mit meiner flapsigen Aussage, dass der SL faul sei? So ganz stimmt das ja nicht, denn der SL ist normalerweise der fleißigste der am Spieltisch Versammelten. Aber wenn man sich nicht die Mühe macht über alternative Plotverzweigungen nachzudenken oder jeden Versuch der Spieler durch eine Manipulation der Spielwelt abwürgt, statt auch über eine vernünftige Reaktion derselben Gedanken zu machen, dann spart man Arbeit. Unerfahrenheit mag als zeitlich begrenzte Ausrede dienen, aber jeder SL kann improvisation und Spielerentscheidungen antizipieren lernen. Es kostet aber Mühe und Zeit. Und genau das Nicht-Lernen dieses “mentalen Toolsets“ ist es was ich provozierend mit “faul“ umschreibe. Und so kommt es dazu, dass ich im Railroading genau das fehlende Toolset sehe, das The Alexandrian anspricht.

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7 Responses to “Schienen verlegen ohne Werkzeug”

  1. Drak Says:

    Ich finde railroading nicht unbedingt faul. Ich bin viel fauler ohne railroading. Ich erschaffe nicht im Vorraus eine vollständige Geschichte, die ich dann durchdrücke.

    Stattdessen sammle ich ein paar zusammenpassende Ideen. Ein 5-Stunden Abenteuer kann in 2 Stunden entstehen – eineinhalb davon träumend beim Radfahren, eine halbe beim Aufschreiben von Notizen und Namen. Und 4 2-Wort-Zeilen an Werten. So ist meine Geburtstagsrunde entstanden, die dann von 22:00 bis 3:00 ging – und wir haben nur die Hälfte meiner Notizen genutzt: Den zweiten Teil des Abenteuers haben wir verschoben, weil wir alle zu müde waren, um weiterzumachen.

    Eine Kampagne entsteht durch ein paar grobe Ideen und dann Abenteuer für Abenteuer durch das Sammeln von passenden Ideen – und Notizen zu den wichtigen Dingen, die passiert sind. Und durch schauen, was die Spieler sich wünschen könnten.

  2. Jan Says:

    Da kann ich nicht widersprechen, auch wenn die Vorbereitungszeit-zu-Spielzeit-Quote sicher ein Glücksfall ist und so nicht regelmäßig abrufbar ist. Aber eigentlich gibt es auch gar nichts zu widersprechen. Du hast eben dieses “mentale Toolset” mit dem Du ein Abenteuer gestaltest. Und mit Deinem Spielstil und diesen Werkzeugen kannst Du sehr zeiteffizient vorbereiten. Aber das hat sicher nicht beim ersten Mal so geklappt. Du hast viele Runden geleitet, gelernt und Deine Methoden entwickelt. Diese Zeit und Mühen hast Du investiert, egal ob bewusst oder nicht. Und das ist der Punkt wo Du ziemlich fleißig warst. Und jetzt zahlt es sich natürlich aus.

  3. Stefan Says:

    Vielen Dank für den Hinweis auf das andere Blog. Ich habe die Artikelserie mit Interesse gelesen und einige gelernt.

  4. Greifenklaue Says:

    Abenteuer entstehen … am Tisch – und ja, wer sich auf vorgegebene Appetithappen, Schienen oder sonstwie seine Spieler beschränkt, schade drum. Bringst es auf ‘nen kurzen knackigen Satz zusammen!

  5. Drak Says:

    Das mit der Erfahrung beim Leiten stimmt. Ich neige allerdings eh zu einer etwas ungewöhnlichen Ansicht von Faulheit: Ich schreibe lieber 2 Stunden an einem Skript, um die nächsten 20 Jahre jeden Tag 10 Sekunden zu sparen, als angeblich faul einfach nur jeden Tag die 10 Sekunden zu verbrauchen. Ich finde, ich bin damit deutlich fauler als jemand, der das nicht macht…

    Das ist auch mein einziger wirklicher Kritikpunkt: Faulheit kann bedeuten, improvisieren zu lernen. Und sich von da ab das Schienen-Verlegen zu sparen.

    Eine railroadende SL würde ich vielleicht Denkfaul nennen aber nicht faul: In den Schienen stecken Unmengen an (unnötiger) Arbeit.

    Der Link ist übrigens toll! Danke!

  6. Jan Says:

    Der Blog ist einer meiner Lieblingsblogs in letzter Zeit geworden. Wirklich sauinteressant :)

    Drak: Ja, “faul” hinkt natürlich etwas. Das ist halt der Vereinfachung geschuldet.

  7. Forderung an alle Rezensenten | Das herzliche Rollenspielblog Says:

    [...] Schienen verlegen ohne Werkzeug [...]

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