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Gedanken zum Dienstag: Beide Regler zum Anschlag!

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Rollenspiel wird auf der einen Seite über Spielelemente definiert: Taktik, Regeln, Ressourcen. Auf der anderen Seite über Erzählelemente: Geschichte, Atmosphäre, tiefe Charaktere, Spannung. Ich verweise an dieser Stelle auch mal auf den sehr durchdachten Artikel, der dieser Tage bei Nebelland erschien.

Ich glaube nicht, dass die beiden Elemente sich grundsätzlich widersprechen. Es gibt keinen Regler, der dafür sorgt, dass ein Rollenspiel zwangsläufig an Erzählelementen verliert, wenn man ihn Richtung Spielelement verschiebt. Wenn schon, dann gibt es zwei Achsen: Spiel-nicht Spiel und Erzählung-nicht Erzählung.

Beides kann man parallell hochfahren und beides unterstüzt einander.

Ein reines Spiel zu spielen ist per se einfach. Wer nur spielen will, braucht kein Rollenspiel, sondern die Siedler von Catan, Kniffel, A&A oder wonach sonst so der Sinn steht. Wer nur eine spannende Erzählung will, braucht ebenfalls kein Rollenspiel, sondern sollte zu einem guten Roman greifen oder einen Film anschauen.

Leider ist es im Rollenspiel zuweilen so, dass eines der beiden Elemente mehr oder minder allein steht: Spielrunden, in denen Würfel und Regeln beliebig negiert werden, was diese Runden per Definition auch kein Spiel mehr spielen lässt (im übrigen sind die meist von einem Teilnehmer allein gestalteten “Geschichten” auch nur ein Gähnfaktor). Auch gibt es jene Runden, die mit Freuden nachmittagelang einen Encounter nach dem anderen auf der Battlemap auswürfeln.

Doch Rollenspiel entsteht erst durch Kombination beider Elemente: Die Erzählung, die gleichzeitig ein Spiel ist. Das Spiel, das gleichsam zur Erzählung wird! Das eine geht nicht ohne das andere. Und beide Elemente ständig zu verbessern, zu verfeinern und somit auch sein eigenes Spielerlebnis, das sollte doch das Bestreben eines jeden Rollenspielers sein!

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5 Responses to “Gedanken zum Dienstag: Beide Regler zum Anschlag!”

  1. Kerstin Says:

    Ich will ja Joni jetzt nicht über alle Himmel loben. Aber ich kann nur bestätigen, dass Spiel und Erzählung zusammen funktionieren und das auch großen Spaß macht! Er ist nämlich Spielleiter in unserer Runde. Ich weiß also von was ich rede :-)

    Probiert’s also einfach mal in eurer Runde aus. Dann werden nämlich sowohl Kämpfe als auch Handlung umso spannender.

  2. Joni Says:

    Ohje, wer hat diesen verspulten Gnom denn wieder hier reingelassen ;) .

  3. PiHalbe Says:

    Ja, natürlich. “Der purpurn gefleckte Drache thront oben auf dem kahlen Basalt-Felsen und breitet seine mächtigen Schwingen aus. Er scheint sehr verärgert zu sein.” — “Uff, Scheiße. Ich springe in Deckung!” — “Was machen wir jetzt? Haben wir irgendeine Chance, ihn zu besiegen? …”

    Rollenspiel verknüpft da sehr gut das Staunen (Erzählkrimskrams) mit rationaler Entscheidungsfindung (Kampfgetüddel). Das macht es doch gerade so interessant. Volle Zustimmung, Joni!

  4. nebelland Says:

    Hi,

    na gut, wenn es kein anderer macht, muss ich halt den Bad Cop rauskehren. *seufz* :)

    Mal polemisch eingestiegen: Du hast meinen Text nicht verstanden. ;-)

    > Die Erzählung, die gleichzeitig ein Spiel ist.
    > Das Spiel, das gleichsam zur Erzählung wird!

    Und genau das funktioniert eben nicht. Also: Axt raus, Schärfe geprüft und beherzt gespalten.

    Vergleichen wir das mal mit Boxen und Wrestling, das passt ganz gut. Entweder es wird Show gemacht, und die Leute wollen auch Show sehen; oder es wird ernsthaft zugeschlagen, und die Leute wollen fairen Sport (und nicht irgendwas Geschummeltes, damit es dramatischer wird).

    Wir setzen ein:

    Das Wrestling, das gleichzeitig Boxen ist.
    Das Boxen, das gleichsam zum Wrestling wird!

    Man sieht sofort, dass da was nicht stimmt.

    Etwas gutmütiger gesagt, natürlich mischen sich taktische- und Erzähl*elemente* am Tisch. Aber ob ich das Ganze als Erzählung erleben und spielen will oder auf einem interessanten, aber taktisch sauber “verwalteten” Spiel bestehe, das sind zwei unterschiedliche Sachen.

    Das Problem wird noch dadurch kompliziert, dass man *jedes* Spiel als Geschichte *erleben* kann (s.h. Ende des Schisma-Artikels).

    Ich erkläre das nochmal verständlich in einem Workshop auf dem NordCon am 6. Juni. Vielleicht sieht man sich.

    Viele Grüße,
    Florian

  5. Joni Says:

    Hi Florian,

    ich glaube, du hast auch eines nicht ganz verstanden: Mein Eintrag war gar nicht als Gegendarstellung zu deinem Thread gemeint, ich habe dich nur mal verlinkt, weil du mit deinen klugen Ansichten zum Thema, das nun mal in die selbe Richtung gehst, durchaus eine Art Referenz darstellt – ganz ernst gemeint. :-) Vermutlich habe ichs aber so angeordnet, dass mans als direkte Antwort verstehen kann, mein Fehler.

    In dieser einen Sache mag ich dir dennoch nicht zustimmen. Du hast dir das zwar schlau ausgedacht mit dem Wrestling-Beispiel, zustimmen mag ich dir dennoch nicht. Bleiben wir mal bei deinem Beispiel, lassen das gefakte Wrestling außen vor und nehmen den Boxkampf. Die Ausgangsposition ist das Spiel oder meinetwegen der Kampf. Der soll fair, hart und ergebnissoffen sein, ein sportlicher Wettstreit. Nun kann ich aber auch einen Boxkampf so inszenieren, dass er eine Geschichte erzählt. Manche Fernsehsender haben das ganz gut drauf. Irgendwie habe ich da gerade Henry Maske im Kopf. Da wird mit dramatischer Musik Einzug gehalten, es gibt Schnitte, ein gröhlendes Publikum, einen Moderator, der es schafft, die vorher nicht festgeschriebene, aber sich im Kampf entwickelnde Dramaturgie in Worte zu gießen. Passt viel besser zu dem, was ich meine. Vielleicht haben wir aber auch einfach nur ein Begrifflichkeitsproblem? Ich behaupte nämlich keinesfalls, dass da eine Geschichte im Sinne von dramaturgisch durchgeplant entstehen muss, eine Erzählung entsteht dennoch!

    Und was das beherzte Spalten angeht: Willst du wirklich sagen, dass der Rollenspieler als solcher nur die Wahl hat zwischen Spiel und Erzählung? Ich beharre darauf: Rollenspiel lebt davon, dass beides zusammen kommt. Das ist ein wichtiger Faktor, der es von anderen Freizeitbeschäftigungen abhebt.

    Auf der Nordcon bin ich nicht, aber dein Buch habe ich bestellt und werde es demnächst dann aufmerksam lesen :-) .

    LG Joni

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