Nach den Artikel “Quadratisch, praktisch” im “Fantastiker”-Blog war ich schon versucht, mich zum Thema Battlemaps zu äußern und nach dem Karsten jetzt in seinem Artikel “Battlemaps sind doof” seine Seite erklärt hat, will ich nicht länger schweigen
Grundsätzlich finde ich Battlemaps gut. Jedenfalls, wenn das System es hergibt sie zu nutzen. Ich finde sie seit Anfang an klasse um möchte sie keinesfalls missen. So gesehen stimme ich dem Fantastiker so ziemlich in vollem Umfang zu. Es ist sicherlich auch der Reiz des Rollenspiels, dass jeder sein eigenes Bild im Kopf haben kann und seiner Fantasie freien Lauf lassen kann. Aber trotzdem muss diese Vorstellung hinreichend zwischen allen Spielern und dem Meister geteilt sein, so dass alle von ungefähr gleichen Voraussetzungen ausgehen, denn ansonsten möchten die Spielern ständig Dinge tun, die in der Umgebung nicht möglich sind oder der Meister lässt Dinge geschehen, die die Spieler völlig überraschen. In den meisten Situationen sind jedoch viele Details nicht weiter wichtig. Ob eine Fackel nun 2m weiter vorne oder hinten im Gang hängt, hauptsache man sieht genug, um den Gang hinunter zu gehen. Steht in dem Gang aber ein Gegner, kann das entscheidend sein, da dieser evtl. in einem schummerigen Teil steht und daher schwieriger zu sehen oder zu treffen ist. Außerdem ist der Kampf die ultimative Herausforderung für die Charaktere, denn es geht um Leben und Tod. Keiner will sterben, weil es ein Missverständnis mit dem Meister gab und keiner will regelmäßig die Kämpfe um 5 Runden “zurückdrehen”, weil es so ein Missverständnis gab. Aber Argumente dafür hat der Fantastiker genug geliefert, ich werde mich mal mit Karstens Aussagen beschäftigen.
1. a) Es dauert zu lange, bis alles relevante eingezeichnet ist.
b) Bereitet der SL das Encounter vor oder verwendet eine Flipmap, so
zwingt er regelmäßig die Spieler in ein vorbereitetes Encounter – und
so fühlt sich das dann auch an.
Das Gespenst des Railroadings geht um. Klingt für mich zumindest so. Aber außer bei Kaufabenteuern mit vorbereiteten Karten haben meine Meister fast immer aus der “hohlen Hand” eine Karte gezeichnet (“Ein Baum hier, ein Busch da. So, da ist noch Platz. Fertig.”). Dauerte keine 3 Minuten. Das kann man mit einem spontanen Encounter machen oder auch für solche, die man vorbereitet hat. Ich denke mir meine Karten eigentlich nie vorher aus. Dazu bin ich viel zu faul, denn es kann sein, dass die Spieler mit einer ganz anderen Idee kommen oder gar nicht an die Stelle kommen. Aber ich habe eine ungefähre bildliche Vorstellung vom Ort des Encounters und die reicht zum Entwerfen einer Map. Das Encounter selbst bereite ich aber vor, denn ich muss ja irgend woher die Werte für die Gegner nehmen. Wenn ein SL sein Encounter nun minutiös vorbereitet und dann die Spieler unbedingt dahin bringen will hat das nix mit Battlemaps zu tun, sondern damit, dass er ein schlechter SL ist. Mit nix anderem. Wenn er sie nicht dahin zwingt, aber es sich für die Spieler trotzdem so anfühlt, ist es entweder ein Missverständnis oder die Spieler sollten aufhören zu jammern und einfach die Mühe, die sich der SL macht den Spieler ein tolles Kampferlebnis zu bieten honorieren. Mit Railroading haben Battlemaps jedenfalls soviel zu tun wie D&D mit DSA
2. Eingrenzung des relevanten: Was nicht eingezeichnet ist, ist nicht da. Das hohe Maß an Visualisierung führt dazu, dass nur Aspekte im Kampf eine Rolle spielen, die der SL in der Zeichnung auch berücksichtigt hat. Hat ein Spieler ohne Battlemap die Idee, dass ein Monster vielleicht besser zu ertränken ist und fragt den SL, ob ein See da ist, so kann er ja sagen – bei Battlemap oder gar Flipmap nicht.
In einem Kampf spielen auch nur Elemente eine Rolle, die der SL sich in seinem Kopf vorgestellt hat. Außer ein Spieler hat ne tolle Idee, die er vorschlägt und die der SL aufnimmt. Klappt in jeder Situation prima, warum macht man es nicht bei Battlemaps so? Der SL zeichnet und dem Spieler fällt auf “hey, da könnte das und das noch gut hin passen”. Das kann man dem SL ja vorschlagen und wenn es eine gute Idee ist, wird er es sicher aufnehmen. Darum finde ich vorgemalte Battlemaps auch nicht gut. Wird also eine solch gute Idee, wie das Ertränken abgelehnt, liegt das meiner Ansicht nach am SL, nicht an der Battlemap.
3. Fokussierung auf den Kampf. Das Aufbauen des Kampfplatzes ist ein wichtiges Signal: Jetzt wird’s spannend und wichtig. Der Rogue, der eben noch (ohne Battlemap) eine Wache mit zwei mal Würfeln ausgeschaltet hat (und ohne den man so weit nie gekommen wäre) wird entwertet, der Barde beim Auftritt am Hofe wird entwertet, der Kleriker beim Versuch seine Kirche gegen das Böse zu mobilisieren – entwertet. Alles ist Kampf. Wer nimmt denn die Battlemap um einen Empfang bei Hofe nachzustellen, bei dem ja auch viel passiert? Niemand. Und demnach nimmt das auch viel weniger Zeit ein und wird von den Spielern auch weniger wichtig genommen. Was durch detaillierte Regeln für Kampf und ein “1-Wurf-auf-Diplomatie”-System noch unterstützt wird.
Der Anfang dieses Punktes ist ein super Argument für Battlemaps. Sie stärken die Konzentration der Spieler und betonen die Spannung des Kampfes. Es geht um Leben und Tod, da sollte es genau so sein. Der Rogue kann Gegner in die Zange nehmen und hinterhältig angreifen (ohne Map gibt’s immer wieder Diskussionen, ob das jetzt geht oder nicht). Unser Rogue ist im Kampf dermaßen effektiv, dass der Kämpfer regelmäßig anfängt (im Spaß) zu schimpfen. Dass andere Situationen als weniger wichtig angenommen werden kann man ja damit bekämpfen, dass diese Szene besser und dramatischer ausgespielt werden. Kämpfe mit einer Map dauern meiner Erfahrung nach auch nicht länger als ohne. Im Gegenteil. Bei großen Kämpfen gehen sie sicher sogar schneller, da das ewige Rumdiskutieren wer denn nun wo steht entfällt. Jeder sieht, was los ist und kann zielgerichtet und schnell handeln.
Battlemaps sind sicher kein Allheilmittel und haben auch Schwächen. Aber diese Schwächen lassen sich von der Gruppe leicht ausmerzen. Werden sie falsch benutzt, kann natürlich auch das nicht helfen. Aber ein Werkzeug abzulehnen, weil der Benutzer es falsch benutzt halte ich für Blödsinn. Sonst sollte man Äxte verbieten, weil damit schon Leute getötet wurden.