Es gibt im Internet diverse Datenbanken, die uns Rollenspielern helfen, eine Gruppe zu finden. Doch das ist keine Garantie, eine zu finden, wie ich selbst schon leidlich erfahren habe. Bei meinen diversen Umzügen quer durch Deutschland war ich nicht immer mit einer Rollenspielgruppe gesegnet. Doch allein im kleinen dunklem Kämmerlein zu sitzen, den Wetterbericht für die nächste Woche zu lesen oder Lottozahlen auswürfeln, muss nicht sein. Probiert doch auch mal, online zu spielen!
Das Onlinespiel funktioniert eigentlich genauso wie herkömmliches Rollenspiel, mit dem Unterschied, dass man einander nicht sehen kann. Sicherlich verändert das die Kommunikation ein wenig, aber damit lässt es sich meiner Erfahrung nach ganz gut leben. Onlinespiel bietet einfach den Vorteil, dass man spielen kann, auch wenn man nur ein paar Spieler kennt, die über ganz Deutschland verteilt sind. Der eine oder andere wird sicherlich Vorbehalte haben, aber man sollte es mal ausprobieren, bevor man es ablehnt. Immerhin kann man seinem Hobby auch unter widrigen Umständen treu bleiben und muss sich nicht in Verzicht üben.
Was ist anders?
Natürlich gibt es Unterschiede zum normalen Spiel, Nachteile, aber auch Vorteile. Zum einen ist das Onlinespiel spontaner möglich. Man kann es von zu Hause aus spielen, man muss sich nur vor den Computer setzen, vorrausgesetzt man hat die richtigen Werkzeuge schon installiert. So kann man auch einfach mal eine Runde über ein paar Stunden spielen um etwas auszuprobieren oder einfach die Zeit totzuschlagen. Sofern die Freunde Zeit haben, kann man eine Runde in weniger als fünf Minuten zusammen bringen. Da man die anderen nicht unbedingt sieht und Effekte wie Beleuchtung nicht zum tragen kommen, ist die Atmosphäre etwas weniger dicht. Aber auch rein mit Sprache, z.B. über Skype, kann man prima Stimmung erzeugen. Außerdem braucht man ein paar Hilfsmittel, um beispielsweise öffentlich zu würfeln oder eine Battlemap zu bekommen. Aber durch die sehr aktive Rollenspielgemeinde gibt es für all das richtig gute Lösungen.
Was muss ich tun?
Zunächst einmal solltest Du ein paar Rollenspieler haben, die mitmachen wollen und natürlich braucht Ihr einen Spielleiter. Soweit nichts neues. Dann solltet Ihr euch über eine Frage einig sein: Text oder Ton? Wollt Ihr über einen Chat per Text spielen oder lieber z.B. Skype mit Ton? In meinem Umfeld entstand die Idee des Onlinespiels im einem Chat, darum lag Text anfangs nahe. Es geht einfach und man kann alles mitteilen, was man will. Allerdings ist es sehr langsam, was dazu führen kann, dass der eine oder andere Spieler abgelenkt ist, rumsurft o.ä. und man kommt mitunter in einer Session nicht besonders weit. Darum ziehe ich persönlich Ton vor. Mit Sprache kann man doch etwas mehr ausdrücken, als mit Schrift. Man kann besser Stimmung erzeugen und die Kommunikation geht einfach schneller, was weniger unnötige Pausen mit sich bringt. Dafür kann man keine vorbereiteten Beschreibungen einer Person oder eines Ortes einfach so “hinein werfen”, was im Chat sehr gut geht. Auch redet man hier und da durcheinander. Das lässt sich bei Gruppen von bis zu vier Personen noch gut handhaben. Ab fünf Personen wird die Kommunikation meiner Erfahrung nach spürbar schwieriger. Aber auch das hat meinen Spielspaß nicht trüben können. Als Chatprogramm kann man Chaträume im ICQ, das IRC, den Gametable oder jede weitere Chatplattform benutzen. Für Sprachübertragung eignet sich Skype sehr gut. Auch andere Clients wie Teamspeak sind möglich. Skype hat sich bei uns aber wegen guter Sprachqualität, fehlenden Probleme mit Firewalls und Konferenztelefonaten als tauglichste Lösung erwiesen.
Das grundsätzliche Herangehen an eine Onlinerunde ist für die Beteiligten eigentlich gleich. Der Spielleiter kann ganz normal sein Abenteuer vorbereiten. Jeder Spielstil ist mit dem Onlinespiel kompatibel. Die Spieler müssen ihre Charaktere wie gehabt vorbereiten, können dies aber eventuell innerhalb eines Programms tun – dazu weiter unten mehr-
Digitales Würfeln und Kämpfe
Der nächste Punkt ist das Würfeln. Es gibt im Internet bekanntermaßen ja keine Tische. Aber dafürProgramme, die als “virtuelle Tische” fungieren können. Im IRC haben viele Chatkanäle Bots, die auch Würfelskripte haben. Am Besten, Ihr fragt einfach mal ‘rum. Oder kommt in’s EuIRC in den Kanal #AD&D oder #D&D, da kann ich Euch evtl. weiterhelfen. Im ICQ kenne ich keine Würfellösung, aber es gibt noch dem Gametable. Das ist ein unabhängiges Programm, dass einen kleinen Chatclient und Würfelskripte bietet. Sehr gelungen wie ich finde, aber auch noch ausbaufähig. Zudem bietet der Gametable eine Battlemap an. Dort kann der Spielleiter in der so genannten “Private Map” Karten vorbereiten und Schritt für Schritt veröffentlichen. Ich finde, das geht sogar besser als bei einer normalen Tischrunde. Der Nachteil ist, dass jeder die Karte beliebig verändern kann, aber soviel Zurückhaltung sollte für die Spieler kein Problem sein. Wer eine lockerere Variante ohne Grid bevorzugt kann z. B. auch mit dem Windows Messenger eine “Whieboard” Session eröffnen, und dort völlig frei zeichnen.
Probleme mit Firewalls?
Fast jeder hat mittlerweile seinen Router mit integrierter Firewall zu Hause stehen und das gibt beim Verbinden gerne mal Probleme. Abhilfe dafür schafft Hamachi. Das ist ein kleines Programm, das ein virtuelles Netzwerk erschafft und voll kompatibel zu Firewalls ist. Anstelle seiner normalen IP (die man z. B. beim Gametable dem Programm entnehmen kann), muss man dann einfach die IP aus dem Hamachi Client nehmen.
Der Charakterbau
Eigentlich kann man seine Charaktere wie gehabt erstellen – mit Papier und Bleistift. Der Unterschied ist nur, dass man den Charakterbogen hinterher eventuell einscannen oder abfotografieren und ihn dem Spielleiter schicken muss. Sollte so meistens funktionieren, da zwar nicht jeder einen Scanner hat, aber oft ein Handy mit Fotokamera. Bei geringer Auflösung ist es ratsam erst die obere Hälfte einer Seite und dann die untere zu fotografieren. Das Foto sollte man aber nicht per MMS verschicken, da dabei die Auflösung im Regelfall stark reduziert wird. Es ist also schon eine Möglichkeit nötig, die Bilder per Mail zu schicken. Komfortabler (insbesondere für den Spielleiter) ist es, ein Programm zu benutzen. Kürzlich hat der Rollenspiel Almanach auf die neueste Version von PCGen hingewiesen. PCGen bietet Charaktererstellung für d20-basierte Systeme von D&D bis zu d20 future usw. Außerdem bietet es auch mit “GMGen” eine prima Werkzeug zur Unterstützung des SL. Die Bedienung ist nicht an allen Stellen gut, aber es funktioniert und hilft wirklich. Für DSA gibt es mit Helden auch eine Software zur Charaktererstellung (auch kürzlich vom Rollenspiel Almanach vorgestellt). Helden bietet aber leider keinerlei Hilfen für Spielleiter. Für alle Erstellungsprogramme gilt: Ist der Charakter fertig, nimm die Datei in der er gespeichert wurde und schicke sie dem SL. Der kann sie dann in seine Software laden und sie sich anschauen. Fertig
Ich hoffe, ich kann den einen oder anderen Rollenspieoler, der sein Hobby derzeit mangels Gruppe auf Eis gelegt hat, wieder aktivieren und zum Spielen bewegen. Unser Hobby braucht uns schließlich
Wenn Ihr noch irgendwelche Fragen zum Vorgehen bei einer Onlinerunde habt, stehe ich Euch gerne mit Rat und Tat zur Seite. Besonders die Programme habe ich erst einmal nur grob umrissen. Eine vollständige Anleitung würde mindestens einen eigenen Artikel erfordern und manches bieten die Hersteller der Software ja auch selbst an. Aber Eure Fragen beantworte ich gerne unter blogs[at]cloneworks.de.
Viel Spaß beim Spielen!