Vor einiger Zeit hatte ich mit Mustrum eine Diskussion über D&D4. Er ist Fan, ich bin immer noch recht skeptisch. Manche Dinge finde ich gut, andere wiederum nicht. Einer der Punkte, die ich gut finde ist, dass die 4e dem SL das Leben sehr viel leichter macht, indem NSCs anders gehandhabt werden als Spieler. Zum einen gibt es natürlich die Stat Cards, die sehr viel Übersicht schaffen. Der eigentliche Knackpunkt sind aber z.B. Minions und rechargable Powers. Beides erleichtert dem SL das Buchführen über seine Vasallen ganz erheblich und dazu kommen noch viele weitere Dinge, die explizit für Spielleitercharaktere erfunden wurden aber für NSCs weggelassen wurden. Healing Surges wurden vereinfacht und manche NSCs haben auch einfach nicht so viele verschiedene Powers.
Warum ist das nun so toll? Eine rechargable Power ist das, was bei 3e oft “einmal alle 1w4 Runden hieß”. Man würfelte den w4 und strich dann Runden ab. Dann kam die Kraft zum Einsatz, denn zum “Aufsparen” für spätere Runden war sie zu wertvoll und es wurden wieder Runden abgestrichen. Bei 4e muss man sich nur noch merken, ob die Power ausgegeben wurde oder nicht. Wurde sie nicht ausgegeben, wird sie meist sofort genutzt, das heißt der übliche Zustand ist “ausgegeben”. Ist sie ausgegeben, würfelt man einen w6. Ist das Ergebnis hoch genug, hat man die Power wieder zur Verfügung und kann (und wird) sie gleich wieder einsetzen. Man muss dafür zwar etwas öfter würfeln, aber da man einfach nur eine “nackte” 6 oder auch eine 5 würfeln muss, entfällt jede Rechnerei. Bei Minions ist das ähnlich. Das sind schwache “Nebengegner”, neben dem eigentlichen Oberboss. Sie haben einen Trefferpunkt. Das heißt sie sind entweder tot oder lebendig. Mehr nicht. Das Aufschreiben der Hitpoints für 10 Gegner entfällt. Meist gibt es das noch für vielleicht drei oder vier Monster und das war’s. Das “Herumjonglieren” vieler NSC fällt weg und auch das “In welcher Spalte waren denn jetzt die Trefferpunkte für Ork 10?” gibt es auch nicht mehr. Zusätzlich sparen die Minions sozusagen die Würfe für die rechargable Powers wieder ein, denn ihr Schaden ist fest. Für einen Minion würfelt man keinen Schaden sondern nimmt die Zahl, die neben der Power steht. Fertig.
Ich finde das sehr praktisch, denn als SL hat man immer sehr viele Charaktere zu steuern. Spieler haben nur einen (oder manchmal 2), daher könne sie sehr viel mehr Zeit auf die einzelnen Aktionen verwenden und sich pro Charakter deutlich mehr Fähigkeiten merken. Als SL muss das ganze sehr viel schlanker und einfacher zu handhaben sein. Genau das versucht die 4. Edition. Ich finde das einen sehr gelungenen Ansatz, allerdings finde ich (manchmal), dass die Verschlankung, die bei den SCs stattgefunden hat etwas zu weit geht. Ich bin jemand, der gerne den Hintergrund seines Chars explizit auf dessen Charakterbogen wiederfinden möchte. Das hat aber z.B. in der 3. Edition eben dazu geführt, dass ein SL, der seine Charaktere wirklich erstellt hat und sich keine Werte aus den Fingern gesaugt hat sehr sehr viel zu tun hatte. 4e geht da meiner Ansicht nach genau in die richtige Richtung: Stark vereinfache Regeln für (die meisten) NSC und eine größere Bandbreite für SC. Will ein Spielleiter trotzdem einen besonderen und sehr wichtigen NSC haben, kann er ja weiterhin die Regeln für SC verwenden. Ich denke und hoffe vor allem, dass dieser Ansatz Schule machen wird. Immerhin hat 4e ja auch das eine oder andere bei anderen Systemen geklaut.
Eine Bemerkung am Rande: Interessant finde auch, dass dies ein sehr abstrakter und theoretischer Ansatz ist. Sprich: Während wir noch diskutieren, ob Rollenspieltheorie wichtig und gut ist, nutzt WotC sie schon.