Die Philosophie des Charakterbaus

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Die Philosophie des Charakterbaus

Beitragvon admin » So 31. Mai 2009, 11:17

Gestern war es endlich wieder soweit, es wurde gezockt :) Gespielt wurde D&D 3.5 und Joni meistert. Ich stieg nachträglich in die Gruppe ein, deren Pathfinder-Abenteuer Joni hier schon einmal beschrieben hatte. Der Charakterbau hat sich dieses Mal für mich aber sehr kompliziert gestaltet. Eigentlich wollte ich die Klasse "Sanctified One" aus dem "Complete Champion" für Tempus adaptieren und einen entsprechenden Kämpfer spielen. Als ich dann aber erfahren habe, dass die Gruppe aus einem Krieger, einem Spitzbube/Krieger und einem Kleriker besteht kam ich ins grübeln. Und ich grübele immer noch. Soll ich einen Charakter spielen, der sich hauptsächlich daran orientiert worauf ich gerade Bock habe oder soll ich mich eher daran orientieren, was in der Gruppe noch nicht vorhanden ist oder kurz:

Individuell oder teamfähig?

Klar, ganz so schwarz/weiß ist das nicht. Zum Einen wird der Charakter auf jeden Fall "gruppenkompatibel" sein, das heißt kein Arschloch und kein Nichtskönner. Ich möchte ja einen sinnvollen Beitrag zum Funktionieren und zum Erfolg der Gruppe leisten (so jedenfalls mein Anspruch an mich selbst). Außerdem wird der Charakter so aufgebaut sein, dass er mir gefällt (ich mag z. B. Kleriker und Druiden relativ wenig), aber es ist die Frage, ob das das Hauptmotiv ist. Diese beiden Grundvorgaben umreißen das Spannungsfeld um das sich nun schon seit Wochen meine Gedanken immer wieder drehen.

Konkret geht es in meinem Fall um Tem, den Halbriesen und mächtiger Kämpfer im Namen des Tempus und Taliorn, den Sonnenelfen und arkanen Feldforscher. Tem ist der Charakter, den ich mir ursprünglich sogar ohne Bezug zu der jetzigen Rollenspielrunde überlegt hatte. Er ist nicht auf die Zusammensetzung der Gruppe abgestimmt. Taliorn habe ich entwickelt nachdem ich von der Zusammensetzung der Gruppe erfuhr und bemerkte, dass ein Magier fehlte.

Grundsätzlich bin ich jemand, der nicht gerne einen Charakter mit Fähigkeiten spielt, die in der Gruppe schon vorhanden sind. Ich fühle mich dann irgendwie überflüssig und die "Verschwendung" der Ressourcen auf eine Fähigkeit die schon vorhanden ist, ärgert mich dann immer ein wenig. Vielleicht ist es auch der kleine Powergamer in mir, der die Effizienz eines auf die Gruppe abgestimmten Charakter mag. Es ist auch ein schönes Gefühl, wenn man beim Spiel Dinge tun kann, die kein anderer Charakter kann und man so eine wichtige Rolle spielt und Anerkennung bekommt. Vielleicht geht es unterbewusst sogar um "Spotlight Time", die man so viel sicherer bekommt? Um auch moralisch höher zu bewertende Argumente zu nennen, hilft ein entsprechend abgestimmter Charakter natürlich auch der Gruppe und kann so auch den anderen Spaß bereiten und er bietet dem Meister die Möglichkeit mehr Lösungswege zu gestellten Herausforderungen anzubieten, die Charaktere stehen auch nicht so leicht vor einem Problem und finden keine Lösung.

Rollenspiel soll aber allen Spaß machen und darum stellt muss man sich fragen: Warum nicht das spielen, wozu man Bock hat? Es soll ja Gruppen geben, die nur aus Hexenmeistern bestehen. Warum nicht einfach mal den Charakter bauen, auf den man schon immer Lust hatte? Es hilft niemandem weiter, wenn man selbst seinen Charakter nicht überzeugend 'rüber bringen kann oder sich mehr oder weniger zwingen muss ihn zu spielen. Ein Charakter mehr hilft der Gruppe auch so, wenn auch wohl nicht ganz so stark. Aber z. B. mehr Schaden im Kampf oder mehr Heilmagie hat noch keiner Gruppe geschadet. Und spielt man das gut aus und hat Spaß daran, gewinnen die anderen Spieler auch an Spaß und das Rollenspiel (als Ausspielen einer Rolle) wird besser.

Wie seht ihr das? Welche Richtung bevorzugt Ihr? Diskutiert mit im Forum!

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Ich mag meine beiden Charaktere mittlerweile gleich gern. Ich wüsste nicht, welchen ich lieber spielen würde. Allerdings war mittlerweile auch noch ein weiterer Spieler dazu gekommen, der auch einen Magier spielt. Es sind nun also beide Charaktere gleichermaßen "überflüssig". Das erleichtert meine Entscheidung nicht wirklich.

Es ist jetzt Tem, der Kämpfer geworden und der Grund dafür war eigentlich recht simpel. Einen weiteren Kämpfer kann man eher gebrauchen als einen zweiten Magier. Hat Spaß gemacht :) Hätte es mit dem Magier aber wohl auch. Beinah wäre es auch soweit gekommen, dass ich zum Magier hätte wechseln müssen, weil Tem 2 Runden vor dem absoluten Exitus war. Aber durch heldenhaftes und wirklich selbstloses Einschreiten unseres Klerikers (was im Gegenzug fast ihm und dem Rest der Gruppe das Leben gekostet hätte) bin ich gerade noch gerettet worden. Danke Teyron :)
Jan aka TheClone

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Re: Die Philosophie des Charakterbaus

Beitragvon Dark-Lord » Mi 8. Jul 2009, 17:17

Ist immer nen schwieriges Ding das abzugrenzen. Grundsätzlich denke ich ist es wirklich wichtig das die Spieler sich ein Stückweit mit dem Chara identifizieren könne, sonst bringt das keinen Spaß am Spiel. Hängt aber evtl auch am System. Ich persönlich spiele selten magisch begabte Charas, einfach weil mir das in den meisten Systemem zuviel Arbeit ist... ja ich bin faul ;) Trotzdem hatte ich Spaß an den Charas, so ich Magier spielte. Was dann "genervt" hat war eher der "Verwaltungsaufwand" der dazu gehörte. Wenn jetzt jemand Magier nicht mag kann aber genau die "Stelle" in der Grupe noch frei ist und er einen Magier baut um eine ausgewogene Gruppe zu haben, wird der Spieler keinen Spaß haben und über kurz oder lang Frust schieben. Das kann nicht Sinn des Spiels sein.

Ich habe mal eine Gruppe gelitten in der ich den SC explizit verboten habe vor dem ersten Spielabend bekanntzugeben was ihre Chars sind. Ergebniss des ganzen: wir hatten einen Überhang an Priestern und Druiden, aber keinen Kämpfer oder Magier. Hat aber trotzdem riesig Spaß gemacht die Runde zu spielen, einfach weil die SC ihre Charas würdig gespielt haben. Theologische Diskussionen In-Game waren allerdings Standard. Das Problem hierbei ist für den SL, das er sich entscheiden muss ob er die Storie an die Charas anpasst oder den "Mangel" durch NSC ausgleicht. In meinem Fall habe ich den Kämpfermangel einfach durch einen NSC (Ordenskrieger) ausgeglichen und die magische Komponente etwas vernachlässigt.

Andererseits macht eine gut ausbalacierte Gruppe auch richtig Spaß. Hängt meiner Meinung nach sehr davon ab wie die Mitspieler so drauf sind. Wenn der SC des Magiers immer Magier spielen will wird er kaum zu einem Krieger switchen wollen. Andereseits gibt es meiner Erfahruing nach viele Spieler die sagen: Ok ich probier mal was ganz anderes und spiel mal nicht den Druiden sondern den Taschendieb...

Persönlich bevorzuge ich die Variante: Spiel was dir Spaß macht, aber das rollenspielerisch gut :)

Just my 2 cents
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