05. Sitzung am 30.11.2008: Der Feind naht, die Schlacht beginnt!
Aus Die herzliche Rollenspielwiki
[Aus einem Brief nach Tiefwasser, geschrieben am frühen Abend des 2. Marpenoth in Quaervarr]
Hochehrvolle Oberen derer von Hohen- und Niederbrück, Liebster Vater, Liebster Bruder,
Ich schreibe euch nun vielleicht ein letztes Mal. Die dunklen Ereignisse, die ich beim letzten Male beschrieb, ziehen sich wie düstere Gewitterwolken über unseren Köpfen zusammen. Der Feind, die Armee der Lykanthropen unter Tess Rauvinskind, dem „schwarzen Hexer“, naht.
Doch schulde ich euch zuvor noch die Schilderung der Geschehnisse seit meiner letzten Meldung nach Tiefwasser…
Am Morgen des 29. Eleint.
Das Dorf erwacht in falscher Ruhe. Die Frauen und Kinder sind fort – in Sicherheit, wie wir alle hoffen. Während Lili den Pfeifenden Hirsch putzt und wischt, beschließt man beim Frühstück, dass wir nochmals aufbrechen müssen, um Beron im Tempel der Druiden zu treffen und mit ihm zu reden. Er weiß noch nicht, welche Gefahr sein Ziehsohn und Mündel für den Norden und den Bund darstellt – und nach dem, was wir bereits von ihm wissen, wird er es auch nur schwer verstehen. Ob er nicht kann oder will, wird die Zukunft zeigen.
Ich entschließe mich (ihr könntet auch meinen, ich sei gezwungen und verpflichtet), im Dorf zu bleiben. Die Miliz, meist Holzfäller, Burschen und Bauern, hat noch einiges an Training nötig und noch viel mehr Bedarf an aufbauenden, Mut machenden Worten. Denn leider ist Undreth gerade für Letztere - bei allem Respekt - nicht der beste Mann. Einigen mangelt es sogar an den grundlegendsten Fähigkeiten. Aber was lässt sich schon tun, wenn der Feind nur noch 2 oder weniger Tage von uns entfernt ist? Wir können nur hoffen, dass die Übungen sie davor bewahren, bereits unter den ersten Hieben und Stichen zu fallen und dass sie standhaft bleiben, auch wenn ihr Hauptmann nicht viel mehr als „Rmpf, Hmpf – Mmhh“ über die Lippen bringt.
Zu Mittag des gleichen Tages.
Leif, Edgar, Taspira und Faelar berichten mir gerade dass im Tempel bereits geschäftiges Treiben herrscht. Vorbereitungen zum Auszug in die „Stadt“ werden getroffen. Beron muss sehr schockiert reagiert haben, ungläubig und zweifelnd, dass sein Tess sogar Anführer eines irgendwie gearteten bösen Zusammenschlusses sein soll.
Leif hat wohl relativ taktlos erwähnt, Tess sei der größte Bösewicht im Umkreis von mehreren Tagesreisen … Die Priester haben entsprechend reagiert und letztlich war es Taspira, die Beron soweit beruhigen und ihm in klaren Worten verständlich machen konnte, dass er der Realität ins Auge sehen muss. Selbst meine geschulten Kenntnisse der Beredsamkeit erreichen nicht, was diese Waldläuferin an Intuition ihren Gesprächspartner gegenüber aufbringt. Leif hatte zwar recht, vielleicht hätte ich sogar genauso reagiert - stellt euch die Bälle in Tiefwasser vor, wo man keine zwei Schritt weit kommt, ohne auf das Wort „Duell“ zu stoßen - aber manchmal darf oder muss man scheinbar nicht „recht“ haben, sondern „anders“ reagieren.
Die Druiden werden übrigens morgen ihr Lager im Dorf aufschlagen. Zusammen mit den übrigen, die heilen können - vom Medikus über den Magier bis zum Sanitätshelfer. Auch Beron wird dabei sein, und ich glaube nicht, dass er uns Ärger machen wird.
Abend und Nacht auf den 30 Eleint.
Nachdem wir - wie so oft in den letzten Tagen - im Hirsch gegessen haben, bittet uns die gute Lili, nach „ihrem“ Seamus zu schauen, da er letzte Nacht nicht nach Hause (zu ihr?) gekommen ist. Sie vermutet ihn im „Loch“ und Edgar, diese gute Seele von einem ehrgeizigen Magier, bietet sich an, ihn zu suchen - bei Codes wie „Klopfe 3x, dann 2x“ nach Tiefwasserstandard in eher schäbige Regionen vordringend. Seamus ist in passender Stimmung: besoffen und brabbelt was von: „Isch mus dringen, sonscht hatterfeind jagar –hick- eine Schonze“ Edgar wahrt wie immer den gesellschaftlichen Takt. Erzählt uns die Begebenheit fast noch ohne Regung.
Was waren wir daher erschrocken, als plötzlich während des Trainings ein Kaskade von Lauten wie: „As st de n irlos, vrschi enes cheis apir … usw.“ (ich kann es nicht richtig wiedergeben, aber es war laut und unerwartet!) den Platz erfüllte und wir nur noch sahen, wie ein zusammengeknülltes Blatt Papier in den Schlamm geworfen wurde – evtl. sprangen sogar ein paar Funken, ich bin mir nicht sicher. Auf jeden Fall ist es gut zu wissen, dass jemand in deiner Nähe ist, der a) mit Feuerbällen umgehen kann, und b) genug Feuerbälle hat, um Strohpuppen abzufackeln. Lili verspricht übrigens, Seamus sei in ernsten Situationen absolut verlässlich.
Derweil hilft uns Leif bei der „Mobilisierung“ der Miliz. Eine sehr gute Idee, sein Pferd und die unerfahrenen Männer zugleich zu trainieren! Es freut mich für ihn, dass er nach dem Verlust seines treuen Hundes nun wieder Umgang mit einem Tier hat. Dieses Training bewirkt zumindest, dass beide (sei Pferd und die Milizionäre) etwas Angst vor dem Ansturm verlieren.
Später, bei der Besprechung mit Gallion, wird uns sehr deutlich gemacht, dass keine noch so gute Idee - Gräben, Gänge usw. - die Begegnung mit dem Feind überleben wird und ich - bzw. wir – glaube/n den erfahrenen Kriegern auch. Gallion ist mit seinen Männern neben den Zwergen definitiv einer der Faktoren, warum Quaervarr überhaupt bestehen kann. Wenn die Miliz dann zusätzlich noch mit der Zuversicht und der scheinbaren Gelassenheit von Undreth reagiert (und keinen Kampfschrei erwartet), stehen unsere Chancen nur noch halb so schlecht! Auch wird uns Torn, der Druide, mit seinem Falken „Raubflügel“ helfen, jeden geheimen oder offenen Einbruch in die Stadt zu bemerken und zu bekämpfen. Klar bleibt - nach dem Rat - dass am nächsten Tage auszurücken, um einen Spähtrupp zu stellen und als Gefangene zurück zu bringen, alles ist, was noch außerhalb der Stadt und dem Zirkel der Späher getan werden kann. Selbst Gallion wünscht Gefangene, so werde auch ich denn morgen trotz der Gefahren für uns und Quaervarr versuchen, dem Feind die Augen zu nehmen.
Morgen des 30. Eleint.
Leif scheint besonders darauf erpicht, auszureiten und einen Spähtrupp zu schnappen. Sonst würde er uns nicht so früh wecken. Schon bald sitzen wir im Sattel in Richtung des alten Forts. Die letzte Sicherheit, bevor wir endgültig die Gebiete der Lykanthropen betreten, ist ein Waldläufer am Lichtungsrand, dann sind wir deckungslos. Nach ein paar Meilen steigen wir ab und folgen Leif in gebührendem Abstand zu Fuß. Trotz unserer bzw. seiner Vorsicht erschallt ein plötzlicher, alarmierender Ruf!
An den folgenden Kampf kann ich mich nur undeutlich errinnern. Es waren 7 oder 8 und nach den ersten Hieben war ich wie im Krankheitsfieber: immer wieder erwachte ich und schlug nach den Beinen der Feinde, immer wieder wurde ich ohnmächtig, nachdem mich zuallererst zwei überaus große Krieger mit ihren Zweihändern nahezu zerhackten. Währenddessen bekam ich Tränke und Hilfe von Taspira, Edgar und den anderen – und trotzdem scheine ich nur halbbewusst auf dem Boden gelegen zu haben. Meine Gefährten erzählten mir später, dass Leif einen ihrer Priester gefangen und dass Faelar sich im Kampf besonders ausgezeichnet hat. Faelar! In Silbrigmond so tapsig und weltfremd, dass er mitten auf dem Markt den ungeschickten Langfinger macht, und hier im Wald rettet er uns alle – vor allem mich - weil er den Schutz und die Schatten der Bäume zu kennen und nutzen scheint, wie die Schatten der Stadt. Ein seltsam liebenswerter Kerl!
Unser Vater und Toril wären nicht unangetan von diesen Freunden. Und auch du würdest Gefallen an ihnen finden, Ainharson. Auch wenn Taspira und Leif ihre Schritte ungern in von Menschenhand geschaffene Umgebungen setzen – ich glaube nicht, dass Edgar und Faerlar damit größere Probleme haben – hege ich trotzdem die Hoffnung, dass Ihr Gelegenheit bekommt, diese trefflichen Gefährten einmal allesamt kennen zu lernen.
Der roten Ritterin sei allerdings Dank, dass ich mit ihnen zusammen das Holzfällerdorf erreichte. Die Schmuckanhänger der einfach zu großen und eigentlich zu starken Lykantrophen, die uns begegnet waren, hatte Faelar an sich genommen und so konnten wir dem Kommandanten Gallion zusammen mit dem gefangenen Priester einige Informationen übergeben.
Es kann nun nicht mehr lange dauern, bis Tess eintrifft, wir nutzen die Stunden zum Essen, Trinken und Baden. Ein vorläufig letztes Mal. Ein letztes Mal die alten Geschichten am Feuer, zum letzten Mal die zwergischen Trinklieder. Die letzten Gefallen, die man sich gegenseitig gewährt, so wie Leif, der sich von einem der Milizionäre eine Pferdeschnitzerei erbeten hat. Der Markplatz ist befestigt, das Lazarettlager aufgeschlagen. Wir warten.
Der 1. Marpenoth.
Es passiert einfach nichts. Zuviel Nichts. Man findet an den Feuern keine wahre Zerstreuung, man findet in den Scheunen und Betten keinen wirklichen Schlaf. Das nahende Böse bedrückt alle, selbst die Fremden wie wir, die nicht in diesen Straßen aufwuchsen, die nicht wie die Männer der Miliz in diesen Wäldern spielten. Wir halten Ausschau.
Seamus erscheint auf einmal unerwartet am Horizont und prescht, einhändig reitend, den Bogen in der der anderen, hochgereckten Hand durchs Tor. Wenn die finstere Armee in einem Tag loszieht, ist sie in weniger als 2 Tagen da. Diese Nachricht hebt die Stimmung nicht wirklich, aber wenigstens sind es Neuigkeiten. Während Leif die Zeit mit seinem Pferd verbringt, versuchen auch wir, sie so gut zu nutzen, wie es geht. Die Stunden vergehen zäh. Mal übt man hier noch ein paar Schläge und dort versucht man, den neusten Finten der Kameraden etwas entgegenzusetzen. Aber an Ruhe oder Schlaf ist nicht zu denken. Wir alle versuchen, die Ruhe zu bewahren und Zuversicht zu sähen.
Der 2. Marpenoth Am Morgen zum Rapport bei Gallion. Man merkt ihm an, dass er Gefahr kommen spürt. Er erzählt von früheren Schlachten und wir im inneren Kreis versichern den übrigen Genossen, dass die kommende Schlacht nicht umsonst geschlagen werden wird. Hoffentlich wirkt es, hoffentlich hält sich das bisschen Zuversicht der letzten Tage!
Die Glocken läuten! Hufgetrappel! Die Späher kommen in hartem Galopp. Keine Stunde mehr, bis wir die Lykanthropen sehen werden. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen: das Haupttor vernagelt und die Armbrüste gespannt!
Nun bleibt nur noch das Warten!
Grüßt mir den lieben Toril von Brück, die gute Merlana und gebt vor allem tausend Küsse der Mutter und meinem Schwesterchen. Möge Julianus uns den Segen Waukins erbeten.
Auf dass ich euch alle bald und gesund in Tiefwasser sehen werde.
Hochachtungsvoll Leran von Hohen- und Niederbrück
Post Scriptum
Soeben preschen die letzten Späher zurück in die Stadt. Sie sind da!
Ein gespenstiger Aufmarsch. Alle Wesen der dunklen Horde erscheinen in Wergestalt. Furchteinflößend und kraftstrotzend. Die ebene Lichtung gefüllt mit Leibern, die voller Bestialität und menschlicher Tücke zugleich stecken. 2 „schwarze“ Kleriker in Begleitung ihrer „Eliteriesen“ fordern schließlich unsere Abordnung zu Verhandlungen. Als ob sie nicht wüssten, wie abwegig für uns eine Einigung mit Ihnen sein muss. Blanker Hohn Tess’. Und doch folgen Undreth und Gallion den Gepflogenheiten und bitten Leif und mich, sie nebst einer Eskorte von Silbrigmondrittern zu begleiten. Taspira hat sich inzwischen den Druiden und Heilern in der Stadtmitte angeschlossen, Edgar und Faelar beobachten das Geschehen vor der Stadt von den Zinnen des Stadttores aus.
Wie zu erwarten, beginnt Tess seinen Sermon von der „Kloake Zivilisation“, man werde „Quaervarr niederbrennen“, selbst wenn wir uns ergeben und abziehen, man werde „nicht haltmachen“ usw. Gallion und Undreth können auf diese Forderungen einfach nicht eingehen, das war von vornherein klar. Eine Schlacht ist unausweichlich.
Gerade als wir umdrehen wollen, um zurück zu reiten, zeigt sich der wahnsinnige Charakter des „ach so guten“ Ziehsohns der Druiden. Diese fiese und hinterlistige Schlange lässt einen Zauberspruch auf Leif und 2 volle Salven Pfeile in unsere schutzlosen Rücken los. Zwar erreichen wir - leicht getroffen - wieder die Stadt, zwar bringen sich die meisten der Kämpfer auf unseren Mauern unter ihren Schilden in Deckung. Aber nun bricht das Scharmützel los.
Zurückgeeilt auf die Mauern und auf Gallions Befehl hin, schließen wir uns der Bogen- und Armbrustantwort Quaervarrs an und feuern nicht ohne Erfolg zurück. Tess jedenfalls verschwindet erstmal überrascht in sicherer Entfernung, nachdem ihm und seinen Begleitern unsere Pfeile wohl doch „zu nahe“ kamen.
Wir beziehen unsere Stellung als Eingreifkommando in der Nähe der berittenen Silbrigmondsoldaten. Um uns herum ertönt der Lärm und das Geschrei des Mordens und Kämpfens. Sie versuchen, das Haupttor einzunehmen, es wird ihnen vorerst nicht gelingen. Sie haben weder mit den Zwergen noch der Entschlossenheit der Miliz gerechnet. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis Raubflügels Warnruf uns aufschrecken wird, die eindringenden Horden zurückzuschlagen.
Möge die Rote Ritterin uns zum Sieg führen!
Meine Schulden werde ich begleichen, sobald wir uns wieder sehen, Ainharson!
[Nachtrag. Geschrieben in der Nacht auf den 3. Marpenoth und aufgefunden im Tagebuch Lerans von Hohen- und Niederbrück.]
Kaum 6 Stunden sind vergangen, seit ich jüngst die Feder beiseite legte und mein Schwert ergriff. Dieses feige Gesocks von Werwesen! Von zwei Seiten versuchten sie einen ersten Einfall. Nur gut, dass wir und die Silberritter bereitstanden, sie zurückzuschlagen. Vom Hörensagen heißt es, eine Gruppe von Werwölfen sei über die Mauern gekommen. Wir hingegen stießen auf 2 Werbären, die wie tollwütig hinter den Mauern tobten. Mit vorerst letzter Kraft konnten wir sie erlegen, allerdings nicht, ohne erheblichen Schaden zu nehmen (ich fürchte, mein Schild und meine Rüstung sind arg ramponiert – den anderen geht es nicht besser). Wir müssen zum Marktplatz zurück, um Heilung zu erlangen und Taspira zu holen. Gez. Leran Toril

