11. Sitzung am 15.03.2009: Probleme in Tiefwasser

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Es war der 29. Marpenoth, als wir die Taverne "Schwarzstern" verließen und auf die Hohe Straße hinaus traten. Der Anblick Tiefwassers war atemberaubend und Silbrigmond wirkte dagegen wie ein kleines Dorf! Aber Leran und Faelar fühlten sich sichtlich wohl und waren in ihrem Element.

Leran führte seine Freunde also zum Haus seiner Familie, der Hohen- und Niederbrücks, über den Marktplatz, auf dem ein Trubel herrschte, wie er kaum vorstellbar war. Das Anwesen, bei dem sie schließlich ankamen, war beeindruckend! Da stand ein prunkvolles Herrenhaus auf einem riesigen Gelände, bewacht von Soldaten. Leran wurde auch schon erwartet, obwohl er seine Ankunft doch gar nicht angekündigt hatte. Aber das konnte vielleicht später geklärt werden. Er war wohl erst einmal froh, wieder zu Hause zu sein.

Die Tür des Herrenhauses wurde dann auch schon von der Köchin Irka geöffnet. In ihren Erzählungen klärte sich dann auch, warum Lerans Ankunft niemanden überraschte: Er hätte nämlich einen Brief von seinem Vater Muskan erhalten sollen, in dem er hierher gerufen wurde. Außerdem erfuhr er, dass sein Bruder Ainharson krank im Bett lag und von der alten Amme Merlana Zweiwurz gepflegt wurde.

Leran und seine Gefährten gingen also direkt zu dessen Vater. Dieser freute sich natürlich sehr, seinen Sohn zu sehen. Kam dann aber auch schnell auf die Probleme zu sprechen, in denen seine Familie steckte: Die mit den Hohen- und Niederbrücks verwandte Familie Amcathra war nämlich in Konflikt geraten mit der Familie Gralhund. Auslöser war, dass die Gralhunds seit kurzem Waffen anboten, und zwar die besten der Stadt. Bisher waren die Schmiede der Amcathras die unangefochtene Nummer eins gewesen. Natürlich bekommen sie nun die Unterstützung Hohen- und Niederbrücks.

Aber damit nicht genug. Lerans jüngerer, siebzehnjähriger Bruder Julianus ließ sich in der Taverne "Galoppierender Minotaurus" von Dietrich von Gost provozieren. Wissenswert dazu ist, dass die Familie Gost eng befreundet ist mit der Familie Gralhund. Das Unglück nahm seinen Lauf und der unerfahrene Junge wurde von Dietrich zu einem Duell bis zum Tode herausgefordert. Obwohl das Duellieren in Tiefwasser verboten und er noch dazu kein Schwertkämpfer ist, nahm Julianus an. Es dürfte zwar auch ein direkter Verwandter für ihn kämpfen. Doch nun liegt Ainharson mit Fieber im Bett und somit müsste Muskan selbst einspringen. Wahrscheinlich handelt es sich sogar um eine Entrige, um das Familienoberhaupt zu töten. Denn Ainharson wurde bezeichnenderweise krank, nachdem auch er im Gallopierenden Minotaurus war. Damit war die Erzählung bei Lerans Rolle angelangt. Keiner der Familie Gost konnte wissen, dass er sich in der Stadt befand. Also sollte er antreten bei diesem Duell in drei Tagen bei Morgengrauen im Heldengarten, ausgetragen mit Rapieren und ohne Rüstung.


Die junge Bardin Bellis Perennis, genannt Bella, saß in der Drachenkopftaverne, als ein Mann in langem blauem Umhang zielgerichtet auf sie zukam. Er trug außerdem eine silberne Anstecknadel in Form einer Harfe, das Zeichen der Harfner. Er stellte sich nicht vor, aber gab an, dass er auf der Suche nach einem "unbeschriebenen Blatt" in der Stadt sei. Es ging darum, eine Nachricht zu überbringen und Unterstützung zu leisten. Es sollte auch ein hübsches Sümmchen dafür herausspringen. Als Bella beim Anblick des Goldbeutelchens den Auftrag annahm, erklärte ihr der unbekannte Mann genaueres: Sie solle dem Magier Edgar ein Buch bringen, es gebe Hinweise auf des Rätsels Lösung. Außerdem seien Häscher in den nächsten Tagen in der Stadt. Sollte Edgar misstrauisch sein, solle sie ihm sagen, dass sie wisse, dass Edgar nicht sein richtiger Name sei. Außerdem gab er ihr einen roten Rubin, den sie bei Gefahr an ihre Waffe drücken solle. Dann verabschiedete sich der Unbekannte schnell mit den Worten: "Ich muss nun weiter."

Neugierig wie Bella nun einmal war, wickelte sie das in Tücher gehüllte Buch sogleich aus: Es war ein alter, halb zerfallener, in Leder gebundener Wälzer über die Geschichte Nesserils. Mehr konnte sie diesem aber auch nicht abgewinnen. So freute sie sich einfach über das augenscheinlich leicht verdiente Geld und machte sich auf zu dem beschriebenen Anwesen.

Als sie dort angekommen war, wurde sie aber nicht einfach hereingelassen. Nachdem einer der Soldaten wohl Rücksprache mit diesem Edgar gehalten hatte, wurde sie mehr wie eine Gefangene in ein kleines Nebenhaus geführt. Dort wurde sie einem Grüppchen von vier misstrauisch dreinschauenden Abenteurern vorgeführt. Als sie aber ihre Nachricht vorgebracht hatte und auch erwähnt hatte, dass diese von einem Harfner stamme, entspannten sich die vier deutlich und führten Bella in den Speiseraum, nun ohne Bewachung.

Nachdem sich auch Muskan der Dame vorgestellt hatte, begann ein beredter und geselliger Abend. Sogar Lerans Onkel und Ausbilder Toril war gekommen und unterhielt mit seiner herzlichen Art die ganze Gesellschaft. Außerdem erklärte er sich bereit, in dem bevorstehenden Duell Lerans Adjutant zu sein. Dann trug Edgar seine Geschichte vor. Um die Gruppe vor der Bedrohung durch die Nesser zu beschützen, wurden die Wachen auf dem Anwesen verstärkt. Des Weiteren nahm Edgar Bellas Angebot an, ihm bei seinen Nachforschungen zu helfen und sich der Gruppe anzuschließen.

Am nächsten Tag, dem 30. Marpenoth, hörten sich Bella und Faelar erst einmal in der Stadt um, jeder natürlich auf seine Weise. Bella brachte in Erfahrung, dass Dunkelzwerge in der Stadt gesehen worden waren. Faelar hörte, dass die Feuerklingen aufgetaucht waren, eine berüchtigte Assassinengilde.

Zurück vom Informationen sammeln, brüteten Bella und Edgar erst einmal über dem Folianten, das sie von dem mysteriösen Harfner erhalten hatten. Es schien aber keine neuen herausragenden Erkenntnisse zu liefern. Schließlich hatte Edgar in seiner Lehrzeit schon viel über die Nesser gelesen. Doch dann fiel ihm ein Detail auf, das dieses Buch von den Schriften unterschied, die er bisher gelesen hatte: Hier war von hundert und einer Nesserrolle die Rede, statt von hundert. Vielleich hatte ja sein Meister diese eine mächtige Schriftrolle gefunden?

Währenddessen besuchte Leran, bewegt von seinem neuen Glauben, den noch recht neuen Kelemvortempel von Tiefwasser. Dort traf er einen alten Bekannten: Viktor Seelendiener, den Kelemvorgeweihten, den er schon in Silbrigmond auf dem Friedhof getroffen hatte. Dieser führte ihn zum Tempelvorsteher Boromeus, der aber unter einem Schweigegelübde stand. Trotzdem erzählte ihm Leran, wie er seinen Glauben zu Kelemvor fand und gab auch sein Kelemvor geweihtes Schwert an den Tempel zurück. Selig lächelnd verließ er die Audienz und Viktor Seelendiener erklärte ihm, dass er am nächsten Tag wiederkommen könne, um Boromeus' Entscheidung zu erfahren.

Faelar nutzte den Tag weiter, um Nachforschungen anzustellen. Er kehrte dafür in den "Schwarzstern" zurück. Viktor Schwarzstern wusste, dass die "Küstensaphir" wohl in einer Woche für drei Tage in Tiefwasser anlegen würde.

Bella besuchte in der Zeit die Bardenakademie. Dort traf sie ihre Freundin Talina und suchte in der Bibliothek nach Informationen. Auch in diesen Büchern war überall nur von hundert Nesserrollen die Rede. Allerdings erfuhr sie mehr über diese: In ihnen schlummerte eine Magie, die ganze Städte verzaubern und die Physik verändern konnte. Es waren wohl nicht alle von ihnen verschollen, sondern einige von ihnen wurden an geheimen Orten gelagert.

Am nächsten Tag, dem 1. Uktar, suchte Leran erneut den Tempel des Kelemvor auf. Er wurde dort aufgenommen und erhielt sogar das geweihte Schwert zurück, da er es im Kampf führen dürfe, wenn er Kelmvors Weg gehe. Außerdem wurde ihm noch dessen Symbol, die Seelenwaage, überreicht. Weitere Einsichten in den kriegerischen Pfad seines Gottes könnte Leran in Suzail in der Rabenwacht erhalten.

Taspira brach an diesem Morgen zum Berg Tiefwasser auf, weil sie Sehnsucht nach der Natur verspürte. Dort traute sie ihren Augen kaum, als sie den Falken Raubflügel am Himmel erspähte. Zum Glück schaffte sie es, diesen auf sich aufmerksam zu machen, und er landete bei ihr. Zu der Wiedersehensfreude kam aber rasch große Trauer hinzu, denn Raubflügel hatte Schlimmes zu berichten. Taspira verstand sein klagendes Krächzen dank ihrer Waldläuferfähigkeit, mit Tieren zu sprechen. Raubflügel, Torn und Seamus seien im Wald auf einen Boten aus Tiefwasser gestoßen, der eine Nachricht an Leran überbringen wollte. Dann seien sie aber von einer Gruppe Nesser überfallen worden und obwohl alle tapfer gekämpft hätten, sei Torn gefallen und die Botschaft für Leran sei in die Hände der Nesser geraten. Raubfügel, Seamus und der Bote konnten zum Glück fliehen.

Seither begleitet Raubflügel Taspira, weil er ja nun allein war und er auch nicht unbedingt bei Seamus bleiben wollte.

Bella und Edgar stellten an diesem Tag Nachforschungen in der Magierbibliothek an. Sie fanden auch dort Mutmaßungen über die Existenz einer weiteren Nesserrolle. Diese sei aber vielleicht erst nachträglich geschaffen worden, auf der Basis der echten Rollen, und nur ein Auserwählter könne diese lesen. Vielleicht entstammte ja Edgar der Blulinie dieses Auserwählten?

Bella suchte gegen Abend dann den "Galoppierenden Minotaurus" auf. Dort hielt sich eine eher gehobene Gesellschaft auf und unter ihnen auch Angehörige der Familie Gost, die sie an deren Schlangenschmuck erkannte. Nach ihrem wunderbaren Lautenspiel bekam sie auch von eben diesen einen Platz am Tisch angeboten. Einer aus der Runde stellte sich sogar als Dietrich von Gost heraus. Durch einige geschickte Schmeicheleien, schaffte es Bella, dass dieser am Abend vor seinem Duell einiges über den Durst trank. Die Bardin zog daraufhin weiter zum "Schwarzstern", wo sie in Erfahrung brachte, dass der "Bettler-Adam", der auf dem Marktplatz zu finden war, etwas über Fremde in der Stadt wissen könnte.

Früh im Morgengrauen des 2. Uktar fanden sich Leran und seine Begleiter zum Duell im Heldengarten ein. Leran war eher schlicht gekleidet, Dietrich von Gost hingegen war herausgeputzt und trug ein buntes Rüschenhemd. Allerdings wirkte er fahl und übernächtigt. Was auch der Grund dafür sein könnte, dass sein Vater Bedelfus von Gost so verärgert schien. Auch Lerans Auftreten als Duellant sorgte für großen Unmut auf der gegnerischen Seite. Es kam noch zu gegnseitigen Provokationen: "Schöne Puffärmel! Ihr habt sicherlich so viel Luft am Körper wie im Kopf!" - "Ich werde jetzt die Luft aus dir rauslassen!" Dann allerdings begann der Kampf. Er war hart und es floss viel Blut auf beiden Seiten. Doch schließlich gewann Leran die Oberhand, ließ aber der Familie Gost in Schmach, indem er Dietrich am Leben ließ.

Nachdem Lerans schwere Wunden unter dem Staunen der Freunde von Bella mit ihrem Gesang geheilt wurden, kehrten sie in das Anwesen der Hohen- und Niederbrücks zurück, wo Leran jubelnd empfangen wurde.

Bella und Edgar machten sich noch einmal auf in die Stadt, um den Bettler-Adam zu sprechen. Nach einigen Bestechungsgeldern fanden sie diesen auch. Es war ein alter Halbling mit Augenklappe und Krücke, der bei einem Brunnen saß. Dieser konnte ihnen auch erzählen, dass Leute in altertümlichen Rüstungen schon seit Monaten in der Stadt zu sehen seien. Doch seit dem vorherigen Tage seien sie wohl in besonderer Aufregung. Dann wies er über den Marktplatz zu einigen dunkel gekleideten Gestalten, die sich näherten und augenscheinlich zu den Nessern gehörten. Daraufhin bestachen ihn Bella und Edgar noch mit vier Goldmünzen, damit er sagen solle, dass sie in den Unterberg gegangen seien. Trotz ihrer Eile dann wegzukommen, wurden sie von den Nessern entdeckt und diese nahmen auch sofort die Verfolgung auf. Die Flucht gelang ihnen nur, weil Edgar ein magisches Pferd beschwor, auf dem sie schnell zurück zum Anwesen der Hohen- und Niederbrücks gelangten.

Die Freunde waren sich einig, dass sie im Angesicht dieser Bedrohung so schnell wie möglich aus Tiefwasser abreisen mussten. Sie schmiedeten einen Plan, um möglichst ungesehen aus dem Stadtgebiet heraus zu kommen. Sie wollten sich als Soldaten verkleiden, um als Wachablösung und mit einem Wagen voller Güter zu einer Brücke im Süden Tiefwassers zu reiten.

Dieses Unterfangen gelang ihnen auch. Sie erreichten unbehelligt die Straße nach Süden und am Abend des 3. Uktar schließlich auch die Brücke mit dem dazugehörigen Wachhäuschen. Befreit von dem Wagen und den Rüstungen begann ihre Reise nach Cormyr, wo die Helden weitere Nachforschungen über Edgars Herkunft anstellen wollten. Sie ritten durch die Westlichen Herzlanden, durch das Dorf Suba, durch die Karawanenstadt Scornubel und über den Fluss Streck, bis sie schließlich am 10. Uktar auf einem Gebirgspass auf das erste wirkliche Hindernis ihrer Reise stießen. Doch dazu mehr im Eintrag der nächsten Sitzung...

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