18. Sitzung am 15.11.2009: Die Reise in die Vergangenheit
Aus Die herzliche Rollenspielwiki
Die Geschichte unserer verwegenen Helden schreibt sich immer weiter fort und wird diese sogar in längst vergangene Zeiten Faerûns führen. Davon berichten die Tagebuchaufzeichnungen der Waldläuferin Taspira. Doch damit nicht genug, denn sie weiß nicht von allem, was in dieser Zeit vor sich geht. Darum werde ich nicht umhin kommen, selbst die Geschichte zu erzählen, wie der tapfere Klingensänger Selarion Abendstern sich durch das Unterreich zurück ans Tageslicht durchschlug. Doch das hat noch etwas Zeit. Erst einmal wollen wir sehen, was Taspira zu berichten hat...
"Wir schreiben den 4. Hammer im Jahre 1373 TZ und haben gerade einen Kampf ausgefochten, bei dem wir wieder einmal um Haar Faelar verloren hätten, der mit leichten Füßen und Sinnen um diese riesige Ausgeburt der Hölle herumgetänzelt war. Ich bete zu Milikki, dass ihm Tymora auch weiterhin beistehen wird. Denn ich weiß, Jaspers Verlust hat mich schon genug geschmerzt.
Aber genug von diesem Kampf, wir haben ihn schließlich alle lebendig überstanden. Wir wollten also gerade zurück aufs Schiff, als wir in der Ferne durch den dichten Nebel ein blaues Schimmern wahrnahmen. Es näherten sich drei Gestalten mit Schwertern und Bögen, die nur noch zwölf Schritt von uns entfernt waren. Wären wir nicht so ermattet gewesen von der vorangegangenen Schlacht, wir hätten sie bestimmt mit Pfeilen und Magie gespickt. Aber so konnten sie sich zum Glück weit genug nähern, dass wir die Anführerin dieser kleinen Gruppe erkennen konnten. Es war Azargatha Nimune, die rothaarige Harfner-Magierin, die wir in Suzail kennengelernt hatten.
Erleichtert zogen wir uns also alle aufs Schiff zurück. Gerne wären wir auch diesem unseligen Nebel entflogen, doch da das Nesser-Luftschiff, das den Nebelstein abgeworfen hatte, wahrscheinlich noch über uns kreiste, blieb uns das verwehrt. Endlich erhielten wir wieder Bericht darüber, was sich in der letzten Zeit in Cormyr zugetragen hatte, auch wenn es wahrlich keine guten Neuigkeiten waren. Cormyr werde immer heftiger bedrängt von zwei Fronten: Aus den Nebeln kommen Dämonen, Untote und anderes Gezücht und Sembia, das mit den Nessern im Bunde steht, schickt weiterhin seine Soldaten an die Grenzen. Vor allem in Tilverton sei die Lage besonders schlimm. Doch Dank der neu ausgehobenen Truppen und der Paladine der Rabenwacht halte sich Cormyr im Moment noch gut.
Außerdem haben die Harfner in der Kerzenburg etwas darüber herausgefunden, wie die Zeitkugel funktionieren soll. Ein Zauberer muss einen seiner Zauber opfern und sie mit dem Wasser aus dem Schicksalsbrunnen beträufeln. Will man den Ort und Zeit genau festlegen und sich nicht nur auf das Schicksal verlassen, so muss der Zauberer einen Teil seiner Macht für immer opfern. Außerdem gab es Berichte darüber, dass sich die von uns gesuchte Nesser-Rolle an diesem Ort befunden haben muss im Jahre 339 vor unserer Zeitrechnung.
Dann nahm der Tag mit all seinen düsteren Ereignissen und Neuigkeiten eine gute Wende: Wir wurden mit allerlei mächtigen Artefakten beschenkt, um uns in unserer noblen Queste zu unterstützen. Leran erhielt einen Helm aus der Rabenwacht, der ihm die Macht Kelemvors verleiht, selbst schreckliche Wunden zu heilen, und außerdem einen mächtigen Waffenkristall des Feuers. Edgar bekam eine Robe, die ihm Schutz gegen Ausspähungszauber gewährt, eine Brosche zum Schutz im Nahkampf und ein Stirnband, das es ihm ermöglicht, alle erdenklichen Sprachen zu sprechen. Faelar wurden auch reiche Geschenke gemacht: ein Glücksdolch und Handschuhe, die ihn noch geschickter machen. Zu guter Letzt zu mir: ich erhielt eine wunderbare Rüstung, die mich fliegen lässt wie mein geliebter Falke Raubflügel, und das beste Rapier, das ich je in Händen hielt: Das "Eisige Herz des Nordens" von Sturm Silberhand.
Leider war nun auc die Zeit des Abschieds gekommen, Evendur wollte uns nicht in die Vergangenheit begleiten, sondern mit Azargatha zu den Harfnern zurückkehren. Wir brachen auf, um seitwärts aus dem Nebel herauszufliegen. Schließlich wollten wir weder den Nessern direkt in die Arme fliegen, noch in diesen unheiligen Nebeln unsere Zeitreise beginnen. Dennoch erblickten wir ein tiefschwarzes Schiff mit weißen Segeln, als wir zurück ins Sonnenlicht flogen. Sofort begannen wir zu fliehen und währenddessen die feindliche Besatzung mit Pfeilen und Zaubern zu traktieren. Ihren Anführer erwischten wir leider nicht, weil sich dieser unter Deck verschanzte. Die Nesser drehten schließlich bei und Edgar konnte sich mit der Zeitkugel befassen. Er beträufelte sie mit dem magischen Wasser und sprach eine Beschwörungsformel. Darufhin begann sich die Kugel zu drehen und leuchten, bis die Landschaft um uns herum schließlich verschwamm. Wir sahen Bilder von Ereignissen aus der Vergangenheit, wie die Ritter Cormyrs mit ihren Drachen und auch eine elfische Festung, die überrannt wurde. Schließlich waren wir angekommen.
Der Ort, an dem wir ankamen war derselbe, nur das alles ein bisschen anders war. Gerade ging ein gewaltiger Steinschlag nieder und wir wussten, dass wir uns in der richtigen Zeit befanden. Es war der 5. Nachtal im Jahre 339 vor TZ. Meine Freude darüber erhielt allerdings einen jähen Dämpfer, als mir klar wurde, dass ich hier allein bin. Milikki existierte noch nicht in dieser Zeit. Kurz darauf sollte ich erfahren, dass es Leran mit seinem Gott Kelemvor nicht anders ergeht.
Aus der Steinwaldstadt führte ein Trupp Nesser gerade eine Kolonne Elfengefangener heraus. Da wir weder in die Vergangenheit zu stark eingreifen noch in unserem zerschlagenen Zustand unbedingt kämpfen wollten, versuchte Edgar zu bluffen und gab an, wir seien beauftragt worden in der Stadt nach einem Artefakt zu suchen. Er wollte sich gerade "umziehen", also seinen Verkleidungshut aus der Kabine holen, da kam alles anders als geplant. Wir hörten seinen Ruf aus der Kabine und rannten gesammelt unter Deck, um ihm zu helfen. Der Nessermagier aus der Gegenwart hatte sich doch tatsächlich auf unser Schiff teleportiert und befand sich nun im Kampf mit Edgar. Es fiel uns auch gar nicht so leicht, mit dem grauhäutigen Magier fertig zu werden. Er beherrschte eine nicht zu verachtende Magie und konnte mit den Schatten verschmelzen. Dennoch konnten wir ihn überwältigen, er flehte um Gnade und wir fesselten ihn. Während ich ihn mit mir aus der Kajüte zerrte und dabei die magische Essenz aus einem seiner Tränke saugen wollte, hatte ich die nächste Erkenntnis. Auch meine Zauberfeuermagie war mir genommen.
Zurück auf dem Deck war um mich herum ein Kampf entbrannt. Die Nesser hatten Enterhaken auf unser Schiff geworfen und kletterten nun einer nach dem anderen hinauf. Wir schafften es aber, sie zurückzudrängen, und Edgar bezauberte gar einen von ihnen, der daraufhin standhaft glaubte, wir seien seine Freunde. Als der Kampf dann entschieden war, befragte Edgar auch diesen. Er hieß Mathor und berichtete, dass sie den Auftrag erhalten hatten, nach einem Artefakt zu suchen und die Gefangenen abzutransportieren. Allerdings sei ihnen dabei ein Elf in die Katakomben entkommen. Nachdem wir alle wichtigen Informationen von ihm erhalten hatten, schickten wir ihn ohne seine Waffen weg. Schließlich würde Edgars Zauber irgendwann nachlassen und ob er uns dann noch so freundlich gesonnen sein würde, war fraglich.
Inzwischen brach auch die Dämmerung herein und der Regen wurde stärker. Wir befreiten selbstverständlich die gefangenen Elfen. In deren Situation nur zu verständlich waren diese zerschundenen zehn Gestalten sehr misstrauisch. Edgar, der Dank seiner Studien und seines magischen Stirnbandes der alten Sprachen mächtig ist, unterhielt sich mit dem Anführer der Elfen, Daerendoth. Er erzählte von Sahabir Feuerrubin, Edgars Vorfahr, wie dieser heldenhaft gestorben war, und von dem Gebäude vor uns, das nun in Schutt und Asche lag. Diese marmorne Festung war einmal das Ordensheim der Klingensänger gewesen. Mehr wollte er uns aber nicht preisgeben. Er vertraute uns nicht. Ich glaube, es ging sogar so weit, dass er angenommen hatte, dass er und seine Gefährten nun unsere Gefangenen wären. Denn nachdem sie alle im Wald verschwunden waren, kamen sie doch zurück und hatten ihr Misstrauen uns gegenüber weitgehend abgelgt. Naja, wir können es ihnen wohl kaum verdenken. Schließlich sind wir nun einmal Menschen, bis auf Faelar, und von solchen wurden sie gerade überfallen...
Daerendoth gab uns nun auch Antworten auf unsere Fragen. Er sprach von einem Ritual, bei diesem war auch Sahabir umgekommen, und von einem jungen Klingensänger, der mit der Rolle über unterirdische Gänge nach draußen geschleust worden war. Sein Name sei Selarion Abendstern, ein schlanker und kräftiger Elf mit silberweißem Haar, bewaffnet mit einem Rapier.
Aber es war schon spät und weder die Elfen noch wir waren noch ausreichend bei Kräften, um heute noch Heldentaten zu vollbringen oder eine Suche zu beginnen. Also flogen wir gemeinsam zu einer sicheren Lichtung im Wald, um dort zu rasten. Und dort sitze ich jetzt und schreibe in mein Tagebuch. Wir werden sehen, was der nächste Morgen in dieser fremden Zeit bringen wird..."
Das war die Geschichte von Taspira und ihren Freunden. Doch nun zu Selarion und dem, was ihm am selben Tage, am 5. Nachtal im Jahre 339 vor TZ, wiederfahren ist:
Selarion war von seinen Ordensbrüdern in die dunklen Gänge unterhalb der Stadt geschickt worden, um die wertvolle Nesserrolle in Sicherheit zu bringen. Dort hetzte er nun entlang, noch voller Angst vor seinen etwaigen Verfolgern und halb betäubt von dem schrecklichen Wissen darum, dass heute noch viele seiner Freunde den Tod finden würden. Doch daran durfte er nun nicht denken, er hörte dumpfe Stimmen aus den Gängen weiter oben. Er musste sich beeilen. Hoffentlich würde er sich nicht verlaufen. Schließlich war alles, was er über diesne Teil des Unterreichs wusste, dass es hier vor langer Zeit eine Zwergenstadt gegeben hatte. Edelsteine wurden dort abgebaut, bis ein Unglück alles zerstört hatte.
Aber da... Was war das? Aus der Höhle vor ihm ertönte ein dumpfes "Klong" und eine leise Stimme, die sang:
Stein auf Stein,
alles mein.
Du kleiner Stein,
du bist bald mein.
Es war elfisch, aber in einem seltsamen Dialekt und wie von einem kleinen Mädchen. Vorsichtig lugte Selarion um die Ecke. Die Sängerin war eine spindeldürre, kleine Elfe mit grauer Haut und blondem Haar. Sie wirkte fast noch kleiner als sie eh schon war, weil sie in viel zu großer Kleidung steckte.
Da von ihr keine große Gefahr zu drohen schien, zeigte er sich. Sie war auch sehr freundlich, aber redete wie ein Wasserfall. Corella, so hieß dieses kleine Feenwesen, wollte den Edelstein haben, der in der Steinwand steckte, schaffte es aber nicht ihn herauszuhacken. Für etwas Hilfe bei diesem Unterfangen würde sie Selarion auch helfen, einen Weg aus den unterirdischen Gängen zu finden. Obwohl Selarion genauso erfolglos mit der Spitzhacke war, wollte Corella ihn dennoch führen. Vielleicht hatte sie auch einfach die Geduld für den Edelstein verloren und freute sich über etwas Abwechslung...
In Selarion hatte sie auch einen aufmerksamen Zuhörer gefunden. Sie erzählte ihm von der alten Zwergenstadt, in der Fledermauswesen wohnten. Aber durch sie führte der einzige Weg ins Freie. Dort sei auch eine Quelle mit magischen Kräften. Oh, und die Magie habe verrückt gespielt in letzter Zeit: In ihrer Höhle habe es sogar einmal grün geschneit!
Zu dieser Höhle gingen die beiden auch, bevor sie sich auf den Weg in die Zwergenstadt machten. Corella wollte noch einige ihrer Edelsteine einstecken und sich für die bevorstehenden Gefahren rüsten. Das hieß, dass sie sich einen überdimensionierten, scheppernden Helm aufsetzte, den sie gefunden hatte. Selarion fragte sich, ob dieser wohl etwas bringen würde außer viel Krach. Aber ließ dem kleinen dickköpfigen Ding seinen Willen.
Ein Torbogen mit einer zwergischen Inschrift markierte den Stadteingang, dazwischen lagen Skelette, zwergische und elfische. Hier musste vor langer Zeit ein Kampf stattgefunden haben zwischen Zwergen und Dunkelelfen, die in den tieferen Teilen dieses Höhlensystems lebten. Doch die Geister vergangener Jahre und Jahrzehnte konnten den beiden ja wohl kaum etwas anhaben. Sie schritten durch die Gassen an den verlassenen Behausungen vorbei, als sich Selarion völlig überraschend von einem halben Dutzend flatternder Wesen umgeben sah. Es schien eine seltsame Mischung aus Fledermaus und Tintenfisch zu sein. Aus dem Augenwinkel nahm er noch wahr, wie sich Corella aus dem Staub machte. Wenigstens schien ihr also fürs Erste keine Gefahr zu drohen. Also wog er blitzschnell seine Möglichkeiten ab, nachdem ihn einige schmerzhafte Klauenhieben aus seiner Verwirrung gerissen hatten. Er zog sich in eines der Häuschen zurück und schlug die Tür zu. Das verschaffte ihm einige Augenblicke Zeit, um einen Heiltrank zu nehmen und sich mit seiner Magie einige Spiegelbilder zu erschaffen.
Derart gerüstet öffnete er die Tür, trat aber nicht nach draußen, um die flatternden Monster nicht in seinen Rücken zu lassen. Mit dieser Taktik hatte er auch Erfolg: Bis zwei, die ihr Heil in der Flucht suchten, holte er sie alle mit seinem Rapier aus der Luft. Während er noch keuchend über den Überresten stand, kam Corella mit einer Holzlatte in der Hand um eine Hausecke gebogen. Mit großen Augen beteuerte sie: "Ich wollte gerade eingreifen!" Auch wenn sie dazu zu spät kam, versorgte sie dafür Selarions Wunden. Er mutmaßte auf magische Weise, wenn auch sie darauf beharrte, dass es die Kraft des Mooses gewesen sei.
Vorsichtiger inzwischen stahl sich das ungleiche Pärchen weiter durch die Zwergenstadt. Selarion hielt Ausschau nach einem sicheren Ort, um zu rasten. Die Anstrengungen und Verletzungen dieses Tages waren einfach zu groß. Da erblickten die beiden einen Tempel des Moradin, der unbeschädigt schien.
Die nächsten Zeilen sind dann etwas kryptisch und weniger detailreich als das vorher Geschriebene. Ich werde es noch schöner aufschreiben, wenn die Originalaufschriebe wieder auftauchen...
Selarion und Corella fanden eine Moradin geweihte magische Axt in dem Tempel. Erstaunlicherweise kann sie sprechen, auch wenn dies nur der Träger hört. Äxte sind zwar nicht unbedingt Selarions Lieblingswaffe. Aber er versprach trotzdem, sie zu einem Moradin-Tempel zu bringen.
Die beiden schafften es noch, sich aus dem Gewölbe zurück ans Tageslicht zu schlagen. Corella verschwand auf ungeklärte Weise und Selarion machte sich allein mit seinen Gedanken und Vermutungen auf den Weg. Im Wald traf er auf eine Gruppe Flüchtlinge. Ehrenhaft, wie er ist, eskortierte er sie nach Caer Alabeth.

