2. Sitzung am 19. Juli: Die Flucht des neuen Champions

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Auszug aus dem Reisetagebuch von Shu, dem Mönch. Geschrieben im Jahre 1373


4. Ugdar

Nach einem für uns verheerenden Kampf wurde ich von Abdul Ibn Hazir festgehalten, während zwei Mägde die Wunden meiner Gefährten versorgten. Glücklicherweise haben alle Beteiligten das kurze Gefecht überlebt, Illmater sei Dank! Gerade Valen und Kazuhime scheint es besonders schwer getroffen zu haben. Nachdem die Beiden ihr Bewusstsein wieder erlangten, wurden wir schon gefesselt und gezwungen, uns zu setzen. Von Daegaer, unserem 4. Gefährten fehlt nach wie vor jede Spur. Auch die Wachen konnten ihn nicht finden. Nach kurzer Zeit traf der Herr des Hauses, Kalam Al Shazzar, ein und verlangte eine Erklärung von uns. Hätte uns die Dienerin Irina nicht von einem seltsamen Hilferuf aus diesem Haus berichtet, wäre ich wohl kaum hier eingedrungen. Doch von mir erfuhr Al Shazzar nichts. Valen scheint mit Worten sehr geübt zu sein. Er versuchte, uns aus dieser Situation herauszureden, doch vergeblich. Al Shazzar zögerte, die Wache zu rufen. Das bestätigt mein 1. Gefühl, dass er mit finsteren Dingen zu tun hat. Er wollte uns lieber an einen Sklaventreiber namens Saladin verkaufen, damit wir in der Arena zur Belustigung der Menge antreten. Diese Stadt missfällt mir mehr und mehr. Hier scheint jeder nur auf mehr Gold aus zu sein und jetzt erfahre ich, dass sie Sklaven zu ihrer Unterhaltung aufeinanderhetzen. Die Wachen hatten uns die gesamte Zeit über leider im Auge, sodass ein Fluchtversuch vergeblich war.

Als dieser Saladin ankam, fingen er und Al Shazzar sofort an, um unseren Preis zu feilschen. An mir soll er kein Geschäft machen, doch als Valen mir zuflüsterte, dass die Alternative zur Arena wohl die Exekution in Al Shazzars Garten sein würde, fügte ich mich meinem Schicksal. Saladin nahm uns Valen und mich mit und ließ uns schwer bewacht zur Arena führen, die im Schicksalviertel lag. Was mit Kazuhime geschehen sollte, konnte ich nicht erfahren. Anscheinend wollte Al Shazzar ihn bei sich behalten, wegen seines exotischen Aussehens. Ich weiß nicht, zu welchen Göttern Kazuhime betet, aber ich hoffe, sie stehen ihm bei!

Der nächste Abschnitt ist leider unleserlich. Die Schrift ist durch Schmutz und Einwirkung der Zeit verwischt worden.

Wir wurden zusammen mit anderen Männern in eine große Zelle unter der Erde gesperrt. Am Ende eines langen Ganges wies man Valen und mir eine Zelle zu. Auf dem Weg, konnte ich erkennen, dass der große Gefangenenbereich von einer vergitterten Tür versperrt wird, die kleineren Zellen aber offen sind. In unserer kleinen Zelle warteten schon zwei ausgemergelte Männer, die sich als Timos und Astik vorstellten. Ihre Beschreibung vom Alltag der Arena klingt sehr düster. Die wenigen kräftigen und Kampferprobten Gladiatoren scheinen die schwächeren zu unterdrücken und durch die harten Kämpfe lebt hier wohl niemand besonders lange. Valen und ich beschlossen, so schnell wie möglich einen Fluchtversuch zu unternehmen. Aber zuerst wollten wir abwarten, bis wir die Zugänge zu den Zellen besser eingesehen hätten. Zum Glück konnte ich den Beschwörungsstein vor den Wachen verbergen, den mir Meister Ranjah für Notfälle anvertraut hatte. Ansonsten nahmen sie uns leider alle Waffen und verwendbaren Gegenstände ab.

Später wurden wir zum Training in die Arena geschickt. Valen hielt es für eine gute Idee, sich erst einmal Respekt bei den Gladiatoren zu verschaffen. Er drängte sich an der Waffenausgabe nach vorne durch. Er wird von einem muskel¬bepackten Mann mit einer Augenklappe aufgehalten. Leider lasse ich mich von Valen mitreißen und ein kurzes Handgemenge brach aus. Zum Glück ließ sich der Gladiator auf keinen richtigen Kampf ein. Später erfuhren wir, dass wir uns mit dem Champion, genannt Einauge der Schläger, angelegt hatten. Ich sollte mich in Zukunft in solchen Situationen mehr zurückhalten und die Lage beobachten. Dieses Leben in der Stadt ist doch sehr unterschiedlich von der Abgeschiedenheit des Klosters.

Bei der Ausgabe der Holzwaffen fand ich leider keine geeignete Waffe für mich. Da Meister Ranjah immer gelehrt hatte, dass man ungünstige Umstände verändern müsse, zerbrechen ich Holzspeer, um einen einfachen Kampfstab zu erhalten, mit dem ich vertraut bin. Leider nahm die Wache das nicht sehr positiv auf und so musste ich zur Strafe 10 Runden in der Arena laufen. Zum Glück wusste die Wache nicht, dass alle Mönche im Morgengrauen eine viel größere Strecke durch Athkatla laufen bevor es überhaupt Frühstück gibt. Valen wurde, während ich lief, von Einauge und zwei weiteren Männern angegriffen und niedergeschlagen. Die Wachen sprangen erst ein, als er schon am Boden lag. In der Arena muss wohl jeder auf sich selbst achten. Die Wachen brachten den bewusstlosen Valen wieder in die Zelle zurück und ich beendete mein Training mit Astik.

An dieser Stelle hat jemand ein Stück der Seite ausgerissen.

In der Nacht gab es eine weitere unangenehme Überraschung. Ich erwachte, als Timos und Astik sich über mich beugten und nach dem Beschwörungsstein griffen. Auf frischer Tat ertappt, leugneten die beiden zwar jede böse Absicht aber ich weckte erst einmal Valen aus seiner Meditation und wir bewschlossen, von nun an vorsichtiger sein und über den Schlaf des Anderen zu wachen.


5. Ugdar

Heute sollten Kämpfe stattfinden. Bevor es losgeht, zeigte ich Valen einige Aufwärmübungen, mit denen er sich auf die bevorstehenden Kämpfe vorbereiten sollte. Irgendjemand erzählte uns, dass die Gladiatoren manchmal auch gegen wilde Bestien antreten müssen. Doch Valen erschüttert das nicht sehr, er war fest entschlossen, sich an Einauge, dem Schläger zu rächen. Er meinte auch, dass es besser wäre, der Menge eine gute Show zu bieten, da beliebte Gladiatoren sicher fairere Kämpfe erhalten würden. So sehr mich der Gedanke, die Menge durch Blutvergießen zu unterhalten auch abstößt, so stimme ich ihm doch zu. Ich kann nicht hier im Sand sterben, ohne den fürchterlichen Mönch gestellt und das Geld der Armen zurückerlangt zu haben. In der Arena erwartete uns eine angenehme Überraschung. In den Zuschauerrängen entdeckten wir einen sehr aufgeregten und bekannten Gnom. Daegaer und ein Fremder waren auf der Tribüne und Daegaer schien uns gesucht zu haben. Ich habe den Gnom vielleicht falsch eingeschätzt.

Als Valen und ich in der Mitte der Arena ankamen, ließ man zwei wilde Leoparden auf uns los. Ein Blick auf Valen zeigte mir, dass auch er es bereuen würde, diese armen Tiere zu töten. Doch es gelang uns glücklicherweise, beide Bestien kampfunfähig zu machen, ohne sie zu erschlagen. Unter dem Jubel der Menge forderte Valen den Champion, Einauge heraus. Dieser Elf scheint sehr wagemutig zu sein. Ich weiß nicht, ob das eine weise Entscheidung war.

In unserer Zelle gelingt es Valen, einen Kleriker Tymoras zu überzeugen sein Wunden vor seinem Kampf gegen Einauge zu heilen. Da es ein Zweikampf sein sollte, konnte ich ihm nicht zur Seite stehen. Dann wurde er in die Arena geführt und ich blieb alleine in der Zelle zurück. Dem Lärm der Menge nach zu beurteilen verlief der Kampf aber gut für Valen. Ich hörte sie seinen Namen brüllen und danach den Tod seines Gegners fordern. Dann schlug der Beifall plötzlich in Rufe des Unmuts um und ich sah die Wachen Einauge hereinbringen. Valen kehrte jedoch erst später wieder verwundet wieder zurück. Anscheinend hatte man ihm einen Wolf in die Arena geschickt, als er Einauge verschont hatte. Doch trotz allem war Valen nun der neue Champion der Arena. Und das nach 2 Tagen! Am späten Abend beschlossen wir, zu warten, bis unsere Wunden verheilt waren und dann so schnell wie möglich mit Hilfe des Beschwörungssteins einen Fluchtversuch zu unternehmen. Danach schliefen wir erschöpft ein.

Doch bald darauf wurden wir von Daegaer aus dem Schlaf geweckt, der sich mit dem Fremden, der sich als Avaendar vorstellte in die Arena eingeschlichen hatte. Als wir leise aufbrachen, wurden wir von Astik und Timos aufgehalten, die mit uns fliehen wollten. Auf dem Weg aus dem Zellenraum kamen wir an einer erschlagenen Wache vorbei, die die vergitterte Tür bewacht hatte. Wir schlichen uns vorsichtig an einer Wachstube vorbei und kamen in einen Lagerraum. In der Mitte des Raumes war ein Gitter im Boden herausgehoben worden. Auf diese Weise waren Daegaer und Avaendar in die Arena gekommen. Nachdem wir uns in der angrenzenden Waffenkammer unseren Besitz bis auf das wenige Gold, dass die Wachen uns abgenommen hatten, zurückgeholt hatten, stiegen wir in die Kanalisation hinab und zogen das Gitter über unseren Köpfen an seinen alten Platz.

In den dunklen, feuchten Gängen begegneten wir einer finsteren Gestalt, der wir ein Wegzoll und ein Schweigegeld bezahlen mussten doch nach einiger Zeit kamen wir wieder an die Oberfläche. Dort trennten wir uns von Timos und Astik und trafen uns bei Daegaer um einen Plan zu schmieden. Wir beschlossen, Daegaers Wohnung zu verlassen und in eine unauffälligere Bleibe im Hakenviertel umzuziehen. Der Gnom ließ einen Zettel für seinen Chef zurück, in dem er behauptete, nach Lantan gereist zu sein. Spät in der Nacht fanden wir schließlich noch ein ärmliches Wirtshaus im Hakenviertel, wo wir im Stall übernachten durften.


6. Ugdar

Daegaer und Avaendar erzählten uns, wie sie sich vor 2 Tagen in der Stadt getroffen hatten. Daegaer, der sich dem Fremden zunächst als Stadtführer angeboten hatte, hatte daraufhin versucht, herauszufinden, wohin wir gebracht worden waren. Nachdem er eine Zeit lang das Anwesen Kalam Al Shazzars beobachtet hatte, erfuhr er von unserem Aufenthaltsort und konnte von einigen finsteren Gestalten einen Weg in die Arena erfahren. Die Aufregung der letzten Tage scheint angeborene, magische Talente in dem Gnom geweckt zu haben. Avaender, der eine große Abneigung gegenüber der Skalverei hegt, beschloss daraufhin, Daegaer bei der Befreiung seiner Freunde zu helfen. Dabei wurden die beiden in der Kanalisation von Schreckenratten angegriffen und hatten sich mit einer unbekannten Krankheit angesteckt. Daher beschlossen wir, erst einmal unauffällig zu bleiben, bis sie sich erholt hatten. In der Zwischenzeit versuchten Valen und ich, noch etwas Gold aufzutreiben und kauften uns unauffällige Seemannskleidung. Und so musste ich meine Mönchsgewänder ablegen um mich zu verbergen. Wer hätte gedacht, dass unser Plan vor 2 Tagen so fehlschlagen würde!


7 Ugdar

Daegar und Avaendar ging es nun wieder besser. Nach einiger Beratung beschlossen wir, bis zu Nacht abzuwarten und bei Kalam Al Shazzar einzubrechen, Kazuhime zu befreien und dem Händler das Handwerk zu legen.

An dieser Stelle endet das Tagebuch. Es ist bisher nicht weiter überliefert, was aus Shu, dem Mönch und seinen bunt zusammengewürfelten Gefährten weiterhin geschah.

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