2. Sitzung am 27.03.2010: Die Insel der Kannibalen

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Liebe Mama, lieber Papa,

hoffentlich kann ich bald wieder bei euch im Laden sein und euch helfen. Ich hatte zwar wirklich Lust auf Abenteuersuche zu gehen. Aber nachdem unser Schiff von einem Riesenkraken zerlegt wurde und unser lieber Gefährte Wordan von Ureinwohnern dieser vermaledeiten Insel getötet wurde, will ich wirklich nur noch weg von hier. Wie schön wäre es, jetzt in der Werkstatt zu sitzen und an einer Wasseruhr herumzuschrauben...

Aber ich will euch und auch mich selbst mit meinem Geschwafel nicht langweilen. Also zur Sache jetzt: Nach unserer ersten Nacht auf dieser dummen Insel gaben wir zunächst dem armen Wordan unser letztes Geleit zu Farasma. Könnt ihr euch vorstellen, ohne ein Frühstück zogen wir dann los, um die Insel zu umrunden. Und das Einzige, das wir dabei fanden, waren die Trümmer unseres Schiffes. Deprimierender kann ein Tag doch kaum anfangen!

Doch ihr kennt mich, lange bin ich nicht niedergeschlagen! Zurück beim Alten Gregg und seinem Kumpel, wurden wir von dem verführerischen Duft gebratenen Fisches empfangen :) Jetzt konnte der Tag also richtig beginnen! Auf ins Abenteuer! Ihr wollt bestimmt auch gern etwas Aufregendes von mir hören, Mama und Papa!

Nachdem wir den ganzen Tag in diesem Dschungel herumgelaufen waren... vielleicht auch eher geirrt, wenn ich ehrlich sein soll... entdeckten wir nach Einbruch der Dunkelheit den Schein von Feuern, und zwar genau da, wo sich laut der geheimnisvollen Karte unser Schatz befinden sollte!

Ihr wisst, ich kann gut schleichen und mich verstecken - wahrscheinlich habt ihr mir die Geschichte mit den Mäusen, die immer alle Apfelkekse aufessen, eh nie geglaubt. Naja, zumindest schlich ich mich dann näher heran. Wir waren beim Dorf dieser kannibalischen Ureinwohner angelangt: Sechs rundliche Hütten standen da im Kreis, in dessen Mitte Feuer entzündet waren. Vor einem Thron lag ein Körper auf einem Stein und darum herum trommelten und sangen diese Wilden. Wir hatten ihrem kleinen Stamm am Vortag wohl ganz schön zugesetzt, denn außer zwei verletzten Kriegern war nur ein Dutzend Frauen, Kinder und Alter zu sehen. Bei dem Anblick, der sich mir als nächstes bot, wurde mir wirklich schlecht! Sie aßen doch tatsächlich den Toten auf und das war auch noch einer aus ihren eigenen Reihen! Wie kann man nur so etwas tun?

Zurück beim Lager rasteten wir erst einmal. Vielleicht könnten wir ja das Dorf am nächsten Tag genauer in Augenschein nehmen, wenn seine Einwohner erschöpft wären von diesem rauschenden Fest - igitt!

Aber die waren auch dann noch mit dieser ekligen Zeremonie beschäftigt. Also machten wir an diesem Tag nichts und langweilten uns - ich zumindest... Und damit nicht genug: Das Ganze dauerte sogar insgesamt drei Tage und dabei passierte nicht viel Neues, außer dass dieser Kerl auf dem Thron eine Kette aus widerlichen Schrumpfköpfen umgehängt bekam. Ich hätte ja schon längst irgendwas gemacht, aber unser Freund der Rote Drachentöter-Skorpion, sagt ja immer man muss geduldig sein. Und wenn man ihm widerspricht, nervt er einen so lange mit seinem alten Meister, bis man aufgibt.

Irgendwann war die Zeremonie dann aber doch fertig und als nachts nur einer von denen Wache hielt, ging's endlich los! Der Skorpion wollte die Wache zwar mit seinem Spezialschlag betäuben. Aber ohne meine Bolzen hätte der bestimmt noch Zeit gehabt, um zu schreien! Jetzt konnten wir also in aller Ruhe auf Schatzsuche gehen! Das erste Interessante war ein Obelisk, der mindestens dreimal so hoch war wie ich. Er war bedeckt mit Symbolen und Zeichnungen von Tieren, je weiter oben desto älter. Und bei diesen älteren war auch dieses Magiersymbol, das uns Teth gezeigt hatte: ein lachendes Gesicht. Direkt daneben war eine hellere Vertiefung, als ob da einmal etwas gewesen wäre. Schade dass Teth nicht dabei war, um sich das anzuschauen. Aber der macht einfach zu viel Krach. Wahrscheinlich lebt dieser Kleriker einfach so gottgefällig, dass er nie was zu verbergen hat.

Also gingen wir uns die Häuptlingshütte ansehen. Das ist die, die aus feineren Hölzern gebaut wurde oder, wie sich beim Näherkommen herausstellte, aus Knochen und Schädeln. Das ist so scheußlich! Da niemand darin war, nur jede Menge Zeug und Ausrüstung derer, die zum Bau dieser Hütte beigetragen hatten, holten wir den klappernden Teth dazu. Der weiß ja schließlich, was magisch ist und was nicht. Es wäre doch ein Jammer, wenn wir aus Versehen die wichtigsten Sachen nicht mitnehmen würden!

Am interessantesten war eine kleine magische Schachtel, auch wieder mit diesem Gesicht darauf. Laut Teth steckte sie voller Hellsichtmagie. Wenn man sie öffnete, war da ein weinendes Gesicht und außerdem eine Kompassnadel. Ohoh, und wo uns dieser Kompass noch hinführen würde... Aber ich will ja noch nichts verraten. Das schreib ich dann, wenn es dran ist.

Weil das aber noch so spannend wird alles, halt ich mich jetzt mal kurz. Die restlichen Dorfbewohner haben uns doch bemerkt, also mussten wir auch noch ihren zweiten und letzten Krieger töten. Der Häuptling war zwar nur ein Kind, das auch ziemlich schnell anfängt zu weinen, aber diese augenscheinlich magische Ekelkette hatte es in sich. Der Skorpion hat ihn trotzdem bewusstlos geboxt!

Dieser Kompass führte uns als erstes in mistigen Treibsand. Wenn er uns direkt danach nicht auch noch zu einer Geheimtür in einer Felswand geführt hätte, hätte man ihn auch glatt wegwerfen können. Kaum war ihm verziehen, führte er uns in einen Goblinhinterhalt in einer Höhle. Ich hasse Goblins! Trotzdem wollten wir nicht so sein und ließen den einen laufen, der sich schließlich ergeben hatte. Immerhin fanden wir in der Höhle ausreichend Vorräte.

Also weiter diesem witzigen Kompass hinterher. Der Goblin hatte uns noch davor gewarnt, dass da oben zwei lebendige Statuen sein sollten, aber dass sie einen nicht verfolgten. Was lernen wir daraus? Stein ist doof! Leider aber auch ziemlich hart. Der Skorpion brauchte echt lange, bis er die beiden Dinger in Stücke gehauen hatte!

Hm, da standen wir dann also vor einem magischen Tor, dass diese Statuen wohl hätten bewachen sollen. An diesem waren zwei runde Einbuchtungen, eine mit einem lachenden und eine mit einem weinenden Gesicht. Der Kompass zeigte auf das lachende. Da sollte man diesen wohl wie einen Schlüssel einsetzen. Aber zum Glück haben wir den schlauen Teth dabei. Der erkannte es nämlich als Falle und setzte ihn gerade in die andere Einbuchtung. Und er hatte der Recht damit, das Tor öffnete sich!

Wir kamen in einen nett möblierten Raum und kurz darauf empfing uns auch ein kleines Ding mit klickenden Rädern: ein Konstrukt. So was will ich auch irgendwann mal bauen! Es war auch sehr gastfreundlich: bot uns Sitzplätze an und brachte uns Kuchen (wenn auch völlig verschimmelt) und dreihundert Jahre alten Wein. Dank Teth wurde der Kuchen wieder richtig lecker, aber um den guten Wein, der wieder zu Traubensaft wurde, war es etwas schade. Nachdem nach längerem Warten niemand kam, machten wir uns auf eigene Faust daran dieses Gewölbe zu erkunden. Zuerst fanden wir nur einen Lagerraum mit weiterem vergammeltem Essen und eine Küche, in der das Konstrukt fleißig am Fegen war. Das schlug dann auch Alarm, als wir nicht wieder zurück in unseren Warteraum gehen wollten. Aber seine Leibwächter hatten sich ja schon in nutzlose Steinbrocken verwandelt. Auch sonst schien hier schon sehr lange niemand mehr zu wohnen. Ersten Aufschluss über diesen Ort bekamen wir dann aber, als wir das Zimmer des Lehrlings fanden. Er hatte nämlich Tagebuch geschrieben - so viel Geduld hätte ich nicht, aber der Lehrling war wohl auch ein Elf. Der letzte Eintrag war 260 Jahre alt. Darin stand, dass sein Meister, der Gnom Globox Hirnverdreher, nicht da war und dass eine Belohnung auf ihn warte, wenn er dessen geheime Werkstatt fände. Sehr viel mehr Interessantes hatte der Schinken aber nicht mehr zu bieten. Wir erforschten lieber weiter die anderen Räume und Gänge.

Wir fanden ein Wohnzimmer mit lebendigen angriffslustigen Möbeln und schließlich auch die geheime Werkstatt. Die war mit einer magischen Bolzenfalle gesichert. Ich hab gleich mal ein paar Teile daraus mitgenommen. Ich glaube, daraus lässt sich noch etwas machen... Zwar gab es darin sonst nicht viel zu finden. Aber immerhin führte ein Weg nach draußen zu einer kleinen Bucht, in der ein Schiff lag: Ein Einmaster, der wie geschaffen war für uns. Mal sehen, wer früher bei euch ankommt, dieser Brief in der Flaschenpost oder ich...

Nachdem wir geschlafen hatten, wollten wir nun auch noch den letzten ausstehenden Raum durchsuchen, auch wenn wir etwas Bedenken hatten. An dem Raum war nämlich auch wieder ein lachendes Gesicht und inzwischen hatten wir alle Globox' Humor nicht unbedingt lieben gelernt!

Es stellte sich auch nicht als die beste Idee heraus. In dem Raum war nämlich ein Spiegel, aus dem unsere Doppelgänger hervortraten. Und glaubt mir, wir haben leider ganz schön was drauf... Wir hätten das fast nicht geschafft und wären bestimmt alle auf dieser Insel gestorben, wenn Teth nicht fast im letzten Moment den Spiegel zerschlagen hätte. Damit waren dann zum Glück auch unsere Gegner verschwunden. Das einzig Gute an dieser Aktion war, dass der Spiegel aus reinem Silber war und wir für die Scherben wahrscheinlich auch noch einiges kriegen werden.

Aber jetzt tut mir die Hand vom vielen Schreiben schon richtig weh! Es wird Zeit, diese Blätter zusammenzurollen und die Flasche zu verkorken. Ich freu mich schon, euch wiederzusehen!


Eure Prikta

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