22. Sitzung am 06.03.2010: Durch halb Faerûn auf Geheis der Königin
Aus Die herzliche Rollenspielwiki
Taspiras Tagebuch
15. Hammer
Wir waren alle wieder im guten alten Silbrigmond. Leider mit viel zu wenig Zeit. Wie schön wäre es, ein gemütliches Bierchen mit Lilly und Seamus zu trinken. Aber wer die Welt retten will... Muss sich in unserem Fall erst einmal mit Bürokratie herumschlagen. Vier (!) Wochen, um Mitglied in dieser Magierakademie zu werden. Zum Glück braucht man kein Genehmigungsschreiben, um Werbiester zu jagen... Edgar tut mir da schon ein bisschen Leid!
16. Hammer
Leider war es schon wieder Zeit aufzubrechen und so flogen wir am Mittag ab - Seamus war sogar nüchtern. Unser erstes Ziel war der Ort, an dem der Baum stehen sollte, den wir in der Vergangenheit gepflanzt hatten. Aber statt eines stattlichenn alten Baums erwartete uns nichts als verbrannte Erde. Verzweifelt suchten wir alles ab und ich schickte Raubflügel aus, um nach irgendwelchen Hinweisen zu suchen. Mein treuer Freund wurde auch fündig. Er führte uns zu einem Waldwaid. Natürlich konnten wir ihn nicht kennen. Denn auch wenn es für uns nur Tage und Wochen waren, war in Wirklichkeit ja Jahrhundert um Jahrhundert ins Land gegangen. Dementsprechend war das Wesen auch etwas verschlossen. Aber wer will es ihm verdenken? Ich hätte mich nicht anders verhalten. Er überbrachte uns die schlimme Neuigkeit, dass vor vierzig Tagen die Nesser gekommen waren und sie alles niedergebrannt hatten. Kein Samen war mehr zu finden. In unserer naiven Hoffnung durchwühlten wir mit bloßen Händen die Erde. Aber natürlich fanden wir nichts. Was für eine grausame Ironie: Da reisen wir durch die Zeit, als wären wir Götter, und trotzdem kommen wir um ein paar Tage zu spät...
Aber sich hängen zu lassen, rettet ja auch nicht die Welt. Und so flogen wir weiter gen Cormyr.
21. Hammer
Fast hätten wir die Reise ohne Zwischenfälle überstanden. Aber gerade als wir die Grenze passiert hatten, erspähten wir nicht weit entfernt ein Luftschiff der Nesser. Vielleicht weil wir schon einige Tage nichts mehr erlebt hatten, vielleicht auch aus Überheblichkeit und Übermut, ich weiß es nicht, auf jeden Fall kamen wir auf den Gedanken das gegnerische Schiff zu kapern. Faelar steuerte die Sternentau also näher heran und ein Kampf entbrannte. Im Eifer des Gefechts wurde zwar unser Schiff beschädigt, da wir gerammt wurden, aber ansonsten waren wir erfolgreich. Die "Alcatraz Wendoo" befand sich nun in unserem Besitz! Als wir die Dokumente auf dem Schiff durchsuchten, wurde uns klar, dass es wahrscheinlich auch zu einem Gefecht gekommen wäre, wenn wir nicht die Initiative ergriffen hätten. Der einflussreiche Nesser Dysanter Wendoo hatte diesem Schiff die Aufgabe zugeteilt, im Westen Cormyrs Jagd auf den Auserwählten zu machen.
Auch wenn es vielleicht schön wäre, mit zwei Schiffen durch die Gegend zu reisen, dieses Schiff barg doch zu viele Risiken. Schließlich konnten die nesserischen Magier bestimmt ohne Probleme ihr eigenes Schiff ausspähen. Also gaben wir es noch am selben Abend an die Greifenreiter der Burg Hochhorn. Schließlich war in diesem Krieg jede Verstärkung von Nöten. Aber wie hätte man es von Cormyr auch anders erwarten können, natürlich ging auch das nicht ohne Bürokratie von statten. Wir konnten nämlich leider unseren Abenteurerbrief nicht mehr finden. Naja, zumindest hatte das zur Folge, dass wir uns endlich einen Namen für unsere Gruppe ausdenken mussten. Sonderlich einfallsreich war der zwar auch nicht. Aber nichts desto trotz sind wir jetzt die "Sternentau-Crew".
22. Hammer
Am späten Nachmittag erreichten wir das "Tor nach Cormyr" und der Anblick der Armeen war gigantisch! Auch die Flagge der Silberfaust wehte im Wind, was uns wunderte, schließlich waren die Reiter gar nicht so viel vor uns aus Silbrigmond aufgebrochen. Wir landeten etwas abseits und suchten dann Galion Eradon.
Die Wiedersehensfreude war groß! Von Galion erfuhren wir, dass selbst die Königin Alusair Ubaski hier sei. Sie habe den Oberbefehl über alle Truppen und wolle mit in die Schlacht ziehen, was kein Wunder ist, schließlich ist sie eine der besten Kämpferinnen dieser Zeit!
Nun klärte sich auch, wie die Silberlegion so schnell da sein konnte: Sie hatten von Alustriel magische Hufeisen erhalten, um rechtzeitig für die Schlacht anzukommen.
Wir schmiedeten nun zusammen Pläne, wie wir am besten helfen könnten. Selarion hatte zum Beispiel die Idee, dass wir doch die Sternentau mit Kanonen und Ballisten aufrüsten könnten. So viel hat sich in diesen paar hundert Jahren also gar nicht verändert... Aber allein konnten wir das sowieso nicht entscheiden. Also nahm uns Galion mit zu Hesaja von Lindwurmsporn, die Anführerin der fünften Legion, der die Silberfaust offiziell zugeteilt ist.
Wir wurden gemeinsam in das Kommandozelt vorgelassen. Dort brüteten wichtig aussehende Männer über Karten und Hesaja, eine ältere Frau, in schlichte samtene Gewänder gehüllt, empfing uns. Wir besprachen gerade unsere Einsatzmöglichkeiten, als ihr klar wurde, um welche Abenteurergruppe es sich bei uns handelte. Da wurde auf einmal alles ziemlich hektisch und geheimnistuerisch. Hesaja verschwand und wies uns an, da zu bleiben. Wir warteten und warteten, aber vier Stunden lang geschah erst einmal gar nichts.
Dann betrat ein Dutzend imposant gebauter Elitekämpfer das Zelt und herrschte uns an: "Mitkommen!", "Anziehen!" Mit dem zweiteren waren dunkle Umhänge gemeint, die sie uns zuwarfen.
So langsam bekamen wir es doch mit der Angst zu tun. Was sollte das? Niemand antwortete auf unsere Fragen oder erklärte irgendetwas. Wir waren doch wohl nicht im Lager unserer Freunde in eine Falle getappt und hatten unsere Identität den Falschen offenbart?
Wir wurden also vermummt durch das ganze Lager geführt. Selbst am Tross mit seinen Köchen, Schmieden und Huren ging es vorbei. Bis wir ganz außerhalb auf ein Gasthaus am Wegesrand stießen. Wir wurden hineingeschickt und erstarrten, Selarion fiel sogar unwillkürlich auf die Knie. Vor uns stand niemand anders als die Königin: eine wunderschöne junge Frau mit goldenem Haar, auf ihrem Haupt die Krone Cormyrs und an ihrer Hüfte ein Schwert.
Etwas verschüchtert berichteten wir, wie wir vielleicht in diesem Krieg helfen könnten. Sie hörte uns auch geduldig zu, ergriff aber dann das Wort: "Mehrere Harfner sind schon bei den Nebeln von Tilverton umgekommen und es werden noch mehr Menschen sterben. Ich flehe euch im Namen Cormyrs an, eure Queste weiter zu verfolgen."
Natürlich hatte sie recht. Wir hatten unser Hauptziel aus den Augen verloren. Diese Schlacht konnten andere schlagen, aber das Ritual, um das Voranschreiten der Wüste einzudämmen, konnten nur wir vollbringen.
Auch wenn wir uns jetzt wie kleine dumme Kinder vorkamen, so konnte uns Alusair doch weiterhelfen. Sie versprach uns, dass sie uns ihre Hofmagierin Kaladnei schicken würde. Diese würde uns beraten und helfen. Das konnten wir natürlich gut gebrauchen. Schließlich mussten wir auf jeden Fall sechs Erzmagier finden und wir hatten natürlich auch noch viele andere ungelöste Probleme.
23. Hammer
Der nächste Tag war angebrochen. Wir saßen gerade beim Frühstück und berieten uns, als es an der Tür klopfte und eine einfach gekleidete Frau mit den Worten "Kuchen für euch." eintrat. Wir waren uns gerade noch am Wundern, als die augenscheinliche Magd eine Handbewegung machte und nun in einer roten Tunika vor uns stand.
"Ich bin Kaladnei. Ich bin hier, um euch zu beraten und zu teleportieren." Nachdem wir uns von dem Schrecken erholt hatten, zeigten wir ihr den Text der Nesser-Rolle und tauschten uns, also hauptsächlich Edgar, mit ihr darüber aus. Unsere Hoffnung, einige Passagen vielleicht etwas abzuwandeln, wurden leider zerschlagen. Die Magie würde sich uns dann wohl verweigern.
Als wir gerade noch am Debattieren waren, kamen Schreie von draußen: "Angriff!" Es war also so weit. Auch wenn wir gerne mitgekämpft hätten, Kaladnei drängte zum Aufbruch. So nannten wir ihr also unser nächstes Ziel: den Kilmaru-Sumpf in Halruaa. Kaladnei war zwar alles andere als begeistert, aber sie fügte sich uns. Sie war dabei sogar so gut, dass wir direkt vor Kinshors Turm ankamen.
Wir wurden auch direkt von Kinshor empfangen: Er trat aus einem der oberen Fenster seines Turmes und schwebte langsam zu Boden. Seine Haut war weiß, faltig und halb verfallen, seine Augen leuchteten in einem unnatürlichen Purpur. Kaladnei schaute bei diesem Anblick angewidert zur Seite. Ich glaube, sie war auch ein wenig beleidigt, weil wir sie nicht davor gewarnt hatten, dass wir einen Leichnam besuchen wollten.
Kaladnei zog es zwar vor, draußen zu warten. Aber wir anderen nahmen natürlich Kinshors Einladung an und folgten ihm in seinen Turm. Ich muss sagen, ich hatte ihn noch nie so fröhlich erlebt. Ich wusste überhaupt nicht, dass untote Wesen überhaupt so fröhlich sein konnten. Auf jeden Fall freute er sich riesig darüber, Selarion zu sehen. Er kam auch sofort ins Plauschen: Dass der Drachenzorn vorbei sei und dass ja die meisten der Wendoo tot seien, aber dass er trotzdem eine gefangen habe. Mit den Worten: "Kommt mit, ich zeig's euch." führte er uns in den Keller unter seinem Turm.
Ich musste mich wirklich beherrschen, nicht meine Klingen gegen Kinshor zu erheben, als ich sah, um was für eine Wendoo es sich handelte: In einer nassen, düsteren Zelle saß ein kleines blondes Mädchen mit gräulicher Haut und weinte herzzerreißend. Als es uns sah, flehte es um seine Freiheit. Aber die einzige Antwort Kinshors war ein brutaler Schmerzzauber. Die Freude, die dabei in seinen Augen glomm, war einfach nur widerlich. Er ließ sich nicht davon überzeugen, dass dies nur ein Kind ist und es Unrecht ist, es so zu behandeln. So verließen wir seinen Turm unter Vorwänden so schnell wie möglich, um uns zu beraten.
Kaladnei wäre am liebsten hineingestürmt, aber Edgar schaffte es gerade noch, sie zurückzuhalten. Wir waren uns schließlich einig darüber, dass die Kräfte eines mehrere hundert Jahre alten Magiers nicht zu unterschätzen sind. Statt dessen einigten wir uns darauf, dass Selarion allein mit Kinshor reden sollte. Vielleicht würde er mit seinem Einfluss ja etwas erreichen können.
Ich war ja nicht dabei bei dem Gespräch, aber was er danach davon zu berichten hatte, war nicht schön. Hier sind einige Zitate Kinshors: "Lasst euch nicht von meiner Erscheinung täuschen, ich habe ein Herz aus Gold. - Ich weiß noch nicht, ob ich sterben möchte, wenn ich meinen Schwur abgegolten habe, alle Nesser zu bekämpfen. - Ich habe Säuglinge getötet. - Wendoos sind nicht einfach Menschen. Sie wurden auf die Welt geschickt, um Unheil zu verbreiten."
Bei diesen Worten sank unser aller Mut. Was sollten wir nur tun? Wir konnten diese unschuldige Kind doch nicht einfach in den Händen dieser Bestie lassen! Aber wie sollten wir sie befreien? Dass wäre unter Umständen unser aller Tod.
Fürs Erste hatten wir zumindest keine andere Wahl, als erst einmal zu schlafen und zu sehen, was der nächste Morgen bringen wird...

