31. Sitzung am 27.11.2010: Drei Sorgen in der Zeit der Sorgen

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Aus der "Historica Faerunae"

Den folgenden Bericht fand man im 15. Jahrhundert TZ in einem Gasthaus in Quaervarr. Über den Autor ist nichts bekannt und somit kann man auch nichts zum Wahrheitsgehalt dieses bizarren Berichtes sagen, vor allem, da die übrigen Personen, die auf dem Berg Tiefwasser waren - auch diesem Bericht zufolge - diesen Bericht nicht kommentieren wollen oder nicht mehr leben. Auch die Anwesenheit der im Bericht erwähnten Gruppe von "Zeitreisenden" kann aus keiner weiteren Quelle bestätigt oder dementiert werden.

Die große Sorge

Wir haben gerade die Menschen, die von Myrkuls Priestern als Opfergaben gefangen genommen worden waren, befreit. Nachdem sie sich bedankt hatten, machten wir uns auf den Weg zur Offenen Pforte. Im Norden schlugen bereits die ersten Flammen gen Himmel und man hörte Schlachtenlärm - die Knochenlegion Myrkuls hat ihren Angriff auf Tiefwasser begonnen. Ich weiß nicht wieso - ob es daran lag, dass vorhin noch der 19. Tharsak war, wir vor Caer Callidyr segelten und nun die Nacht vom 12. auf den 13. Marpenoth ist, nur wenige Stunden vor Aos erscheinen auf dem Berg Tiefwasser, und wir rennen durch die totenstillen Gassen Tiefwassers, in der Hoffnung einige Tränen Mitternachts zu bekommen, bevor sie zu Mystra wird. Oder ob es an der stinkenden Wolke in der Kanalisation (die erinnerte mich an Kirils Turm) lag.

Wahrscheinlich Kiril Schwarzzunge, ein Magier im Mondwald, der 1373 verschwunden ist. Er lebte in Abgeschiedenheit, weswegen
man auch nichts von Verwandten, Freunden oder Schülern weiß.

Ich weiß es nicht, aber uns schien es in diesem Moment wichtig zu sein, "Roland von der Trauerweide" davon zu überzeugen, dass er wirklich um zehn Jahre gealtert ist.

Die Offene Pforte hat sich gewandelt. Die ganzen Harfner bereiteten sich auf den Kampf vor, wickeln sich irgendwelche schwarzen Tücher um das Gesicht und verwendeten auch welche als Umhang. Gower stand auch schon bewaffnet da, hinter ihm die Tür, die in den Keller und von dort in das Reich der Toten führt. Jedoch war sie nun versperrt, mit einer "Armbrust-Falle gesichert" - obwohl ich kein Handwerker bin, hätte ich alleine dank der Fallen, die ich bereits entschärft habe, eine bessere bauen können. Gower erklärte uns, Elminster, Khelben, Mitternacht und Kelemvor seien zurückgekehrt und haben sich wahrscheinlich auf dem Weg zur Schwarzstabakademie gemacht. Ich habe mir noch solche schwarzen Tücher geben lassen und sie mir um das Gesicht gewickelt - sieht doch recht chick aus.

Wir rannten über den Marktplatz und es fing langsam an zu dämmern, aber wirklich hell wollte es nicht werden. Es war benebelt und der Himmel war bewölkt.

Am Schwarzstabturm angekommen, erwartete uns die nächste Überraschung:

Vor wenigen Stunden noch wie leergefegt und nun scheinbar das Hauptquartier der Armee Tiefwassers. Der Turm und das Gelände darum waren offen, überall sammelten sich Truppen. Aber wir hatten keine Zeit. An der Pforte in den Turm standen zwei Magier - in Rüstungen. So etwas bescheurtes habe ich bis jetzt nur bei "Rolands" erstem Erscheinen gesehen. Nach einer kurzen Diskussion mit diesen, wurden wir dann durchgelassen. Wir übergaben Khelben seine Kiste, nach einigen Sekunden erinnerte er sich, dass er uns eine Belohnung versprochen hatte und gab uns einen Beutel mit einigen Tränken und einem Silbernen Dolch, und nach einigen weiteren Sekunden, in denen wir uns nicht vom Fleck rührten, erinnerte er sich auch wieder daran, dass er uns versprochen hatte, wir dürften mit Mitternacht sprechen.

Khelben führte uns rüber, wo Mitternacht auf einer Couch lag, ziemlich erschöpft. Wir erklärten ihr, dass wir aus der Zukunft kämen und möglichst schnell ihre Tränen bräuchten. Nachdem natürlich auch sie misstrauisch auf unsere Erläuterungen reagierte, erzählten "Kassandra" und "Roland" Details über die Pläne, die Elminster, Khelben, Kelemvor und Mitternacht im Augenblick schmiedeten. Doch plötzlich kam Kelemvor reingestürmt, weshalb wir Mitternacht nicht schlafen liesen. Wir beruhigten ihn. Auf das Angebot, wir könnten auch seine Tränen nehmen und würden dann Mitternacht in Ruhe lassen, antwortete er mit dem Kommentar, er weine nicht.


Die zweite Sorge

Als dann "Kassandra" endlich ihr Können hätte beweisen dürfen, stürmte schon wieder eine Person in den Raum. Dieses Mal war es ein Soldat, der berichtete, die Front von Myrkuls Legion sei weiter nach Süden vergerückt. Doch das besondere sei, einige Untote durchsuchten das Haus der Adelsfamilie Taun. Als der Soldat erzählte, dass eine Handvoll adeliger Kinder darin sei und welchen Familien sie angehörten, schossen mir zwei Dinge beim Herunterrennen der Treppe durch den Kopf:

1. Leran hat mir da mal was erzählt, er sei in der Zeit der Sorgen von irgendwelchen Helden vor Skeletten gerettet worden.

2. Er hätte sich 300 vor nicht mit Myrkul anlegen sollen!

Man vermutet, hier handele es sich um Leran von Hohen- und Niederbrück, der für seine Taten um Tilverton und dem Krieg gegen die
Nesser 1373/74 nach deren Ende Ländereien nördlich von Silbrigmond als Lehen erhielt.
Um die Bedeutung von "300 vor" streiten sich jedoch weiterhin viele Gelehrten.

Kassandra blieb kurz zurück, versuchte Mitternacht zum Weinen zu bringen, aber das klappte nicht, weswegen sie uns direkt hinterherrannte und kurz darauf auch wieder einholte. Wir rannten zuerst Richtung Osten, um einen Bogen um die Front zu schlagen. Es gelang uns recht gut, wir trafen nur auf zwei Oger-Zombies - dank zweier Leute, die meinten, sie müssten sich in ihrer Robe verfangen bzw., nur weil sie nicht im Wald waren, Mülleimer umscheißen. Selarion bekam zwar einen Hieb ab, aber wir erledigten sie schnell - ich wünschte, ich hätte eine so mächtige Waffe wie Selarion sie hat.

Einige Geschichtsforscher behaupten, hierbei solle es sich um Selarion Abendstern, einem mysteriösen Elfen, zu dem man in den
Aufzeichnungen bis 1374 nichts finden kann, handeln, der kurz nach seinem Erscheinen Ary'Velahr'Kerym zurück zum Elfenhof nach
Myth Drannor brachte und nach dem Krieg beim Wiederaufbau Cormanthors als Träger der Kriegsklinge eine entscheidende Rolle
spielte.
Jedoch kommentiert der Kriegsherr Cormanthors diese Behauptungen nicht.

Kurz darauf erreichten wir auch schon das Haus der Tauns - deren Wappen von Myrkuls Symbol überschmiert worden war. Ich schlich mich vor, um die Lage zu sondieren und sah im inneren des Hofes einige dieser dunklen Paladine Myrkuls - Leran muss Myrkul damals wirklich verärgert haben. Wir schlichen nach einer kurzen Besprechung um das Gelände, kletterten über die Mauer, schlichen durch den Bediensteten Eingang in die Küche, wo wir zwei der dunklen Paladine antrafen, von denen der eine gerade einen Schrank öffnen wollte. Wir bekämpften sie.

Ich verrammelte die Türen, die vom Haupteingang in die Küche führten, während "Mara" im Schrank, den der eine der beiden Skelettkrieger öffnen wollte, fünf Kinder fand, von denen einer mit einem Holzknüppel bewaffnet die anderen "beschützte" - anscheinend wollte unser Krieger schon immer im Kampf in der ersten Reihe stehen.

Wir rannten unter donnernden Schlägen, die von den Skeletten hervorgerufen wurden, wie sie versuchten die Tür einzurennen, in den Abort und verschwanden mit den Kindern in die Kanalisation, in die faule Sicherheit...


Die Dritte Sorge

Wir liefen mit den Kindern durch die Kanalisation, das Ziel war der Süden, hinter den freundlichen Linien, als ich einen seltsamen Luftzug spürte, ein Gestank, der nicht in die Kanalisation gehörte. Die Kinder wurden mit Edgar einige Meter nach hinten geschickt und selber sprang ich dann an der nächsten Öffnung, wo ich etwas vermutete vorbei, um, was auch immer da war, zu überraschen.

Doch wahrscheinlich war es zu auffällig, als wir einige Sekunden stehen blieben - denn in dem Gang war nichts mehr. Wir bewegten uns nun vorsichtiger, was mich aber wenige Minuten nicht vor dem schweren Hieb einer schwarz-roten Klaue behütete. Meine unausgesprochenen Befürchtungen bewahrheiteten sich.

Wir standen unserer dritten Malar-Bestie gegenüber.


Das Ende aller Sorgen

So schwer auch die beiden vorherigen Kämpfe waren, stachen wir das Monster dieses Mal, da wir alle - außer der Magier, der nicht zu viel riskieren wollte - uns auf es konzentrieren konnten, innerhalb weniger Sekunden nieder. Die Kinder schnell daran vorbeiführend, wobei Leran doch noch einen Blick auf den Kadaver warf, liefen wir weiter nach Süden.

Nach einigen Minuten nahm ich an, wir müssten weit genug sein, weshalb wir raus auf die Straße kletterten - genau rechtzeitig um ein prächtiges Feuerwerk zu sehen. Da uns klar war, dass nach Myrkuls tot nur sehr wenig Zeit blieb, um überhaupt noch Mitternacht zu treffen, übergaben wir die Kinder den nächstbesten Soldaten Tiefwassers und rannten den Berg hoch.

Oben angelangt sahen wir ein Bild, das wir befürchteten: Mitternacht und Cyric standen mit den Schicksalstafeln vor der leuchtenden Himmelstreppe.

Was dann geschah... ich weiß nicht. Ich weiß irgendwie, was geschehen ist, aber irgendwie weiß ich es doch nicht. Als ob, an meinen Erinnerungen herumgespielt wurde, damit ich nicht mehr alles weiß. Ich kann mich noch an Helm erinnern, wie er die Treppe bewachte und dann...

... dann nur noch einzelne Bruchstücke. Ich weiß noch, wie "Mara" vorsprang und begann etwas zu sagen, doch plötzlich konnte keiner von uns etwas sagen und wir konnten uns auch nicht mehr bewegen. Ein weitere Erinnerung ist, wie eine tiefe Stimme sprach "Von diesem Tag wird eure Macht davon abhängen, wie zahlreich und ergeben die Menschen sind, die euch folgen!"

Dieser Part beschreibt wahrscheinlich die Begebenheiten auf dem Berg Tiefwasser. Da jedoch keiner der damals dort Anwesenden
darüber sprechen möchte oder kann, kann man auch diese Beschreibung nur unter Vorbehalt betrachten. Was interessant gewesen wäre,
hätte der Autor (vermeintliche) Worte des Gottvaters zur Zerstörung der Schicksalstafeln und der Ernennung Cyrics zum Gott des
Hasses, des Verrats und des Mordes und Mitternachts zur neuen Mystra niedergeschrieben.

Woran ich mich wieder erinnern konnte war, dass die Treppe sich irgendwie verändert hat, wie als wäre sie aus Diamant, worauf eine grelle Lichtsäule erschien. Dann waren Ao, Cyric und die neue Mystra verschwunden und es fing an zu regnen. Doch es war kein gewöhnlicher Regen, denn unsere Wunden schlossen sich auf der Stelle, ein Teil unserer Erschöpfung fiel von uns ab und wir hörten eine Stimme. Ich weiß nicht, ob alle die körperlose Stimme hörten oder nur wir, es ist sehr schwer es genau zu sagen, da sie irgendwie überall und doch nirgends, aber vor allem in meinem Kopf erklang. Jedoch galten diese traurigen Worte, die klangen, als seien sie trotzdem mit einem leichten Schmunzeln ausgesprochen worden, uns:

"Anscheinend beeinflusst meine neue Macht auch meine Tränen."

Kaum verklangen die Worte, fing "Kassandra" schnell einige der Tränen in einer Phiole auf.

Allem Anschein nach war das Hauptziel dieser Gruppe - insofern sie wirklich existiert hat - Mystras Tränen, kurz bevor sie zu
einer Göttin wurde. Zu welchem Zweck bzw. für welches magische Ritual solch eine Reagenz benötigt wird, ist nicht bekannt.
Könnte man es in Erfahrung bringen, wäre es möglich, die in den letzten Jahren durchgeführten mächtigen Rituale untersuchen, um
somit den Wahrheitsgehalt dieses Berichtes zu prüfen.

Kurz darauf traten Khelben und Elminster auf uns zu und wir begannen ein kleines Gespräch. Während des Gesprächs sagte ich den beiden meinen wahren Namen - Elminster deutete an, er würde ansonsten gerne ein Experiment durchführen, bei dem ein Zeitreisender sich selbst in der Vergangheit umbringe. Kurz darauf beschränkte sich das Gespräch auf Khelben und Elminster, wobei der letztere von einer anderen Welt sprach, auf der er gewesen sei und dort einen "Film" namens "Das Imperium schlägt zurück" gesehen habe - was auch immer das bedeuten solle. Egal, ich hätte das wirre Gerede Elminsters mit Freuden weiterertragen, hätte uns ein Maler portraitiert; Elminster, Khelben und mich Pfeife rauchend am Ende der Zeit der Sorgen auf dem Berg Tiefwasser, auf das Meer wie in die ungewisse Zukunft blickend.

Plötzlich bemerkten wir, das unser Zauberer nicht mehr da war und da wir dann doch in unsere Zeit zurück wollten, verabschiedeten wir uns von den beiden, gingen schnellen Schrittes den Berg hinunter, sammelten den verwirrten "Roland" auf und gingen im Morgengrauen gen Norden, zurück zum Schiff.


Nachdem Faelar, im Sessel vorm Kamin des "Pfeifenden Hirschen" sitzend, die "Historica Faerunae" zuklappte, war seine Frage (er stellte sie sich schon seit knapp hundert Jahren), was mit seinen Notizen zur Zeit der Sorgen geschehen sei, größtenteils beantwortet und er zog an der Elfenbeinernen Pfeife mit dem Symbol Cormyrs.

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